Wandteller, Franz Türcke, KPM Berlin 1909

  • KPM Berlin
  • Franz Türcke
  • Porzellan
  • Wandteller
  • 20. Jahrhundert

Product Description

KPM Wandteller / Plateau mit der Ansicht der
St. Nepomuksbrücke an der Klostermühle in Grüssau /Schlesien

Modellentwerfer (Form und Dekor) Franz Türcke 1908/09
Modellbucheintrag Februar 1909
Modellnummer 9124
Ausführung Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin 1918
Durchmesser 41,2 cm
Marken Zepter, Reichsapfel über K.P.M. und Eisernes Kreuz in unterglasurblau; Dekornummer 300/44 und Malermarke AK in aufglasurrot; Preßmarken Modellnummer 9124, Jahresbuchstabe S für 1918), Dreherzeichen 0 und Massezeichen M15
Künstlersignatur F. Türcke unten rechts

Die Platte zeigt in starker Untersicht die steinerne St. Nepomukbrücke samt Heiligenfigur bei der alten Klostermühle im niederschlesischen Grüssau (heute Krzeszów). Die Vorlage Türckes entstand bereits 1905-1907 als er mehrere Reisen nach Schlesien unternahm.
Die Brücke scheint einen gewissen Eindruck auf Türcke gemacht zu haben, da sich die Ansicht auf mindestens drei weiteren Werken des Künstlers findet. 1910 hing auf der Großen Berliner Kunstausstellung ein Ölgemälde von Franz Türcke, das unter dem Titel Frühlingsnacht einen etwas größeren Ausschnitt der Brücke von der gegenüberliegenden Seite des Wasserlaufs zeigt.
Eine weitere Vedute der Brücke findet sich auf einem Porzellanflakon in Eiform der KPM Berlin. Da die Form des Flakons erst im Mai 1911 von Max Schröder entworfen wurde (Modellnummer 9802), handelt es sich bei diesem Stück wohl um die späteste Beschäftigung Türckes mit der Nepomuksbrücke.

Eine Besonderheit des Plateaus stellt ihre Dekoration in Unterglasurmalerei dar. Diese Technik, bei der die Malerei – oftmals mittels eines Aerographan genannten Zerstäubers – unter der Glasur aufgetragen wird, war in der Ära des künstlerischen Direktors Theodor Schmuz-Baudiss (1908-1923) eine Spezialität der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Insbesondere die ganz eigenen, stimmungsvollen Landschafts- und Architekturdarstellungen setzten sich von den Erzeugnissen der Kopenhagener Porzellanfabriken ab, die bereits länger ihre Porzellane unter der Glasur bemalten. Drei Eigenheiten der KPM waren besonders wichtig, um eigenständige Kunstwerke zu schaffen: Die Berliner Manufaktur war durch die sogenannte Heineckemasse in der Lage einen perfekten Scherben für diese Art der Dekoration zu liefern. Auch die Entwicklung neuer Farben durch Prof. Alfred König, den Leiter der chemisch-technischen Versuchsanstalt der KPM, war ein wichtiger Baustein, ebenso wie ein neu entwickeltes Einritzverfahren für die Umrisse und Details der Darstellung.
Schmuz-Baudiss selbst entwarf viele dieser Landschaftsbilder, wobei er sich auf Wiesen- und Alpenlandschaften kaprizierte. Von Franz Türcke stammen athmosphärische Großstadt-Ansichten mit farbigen Luft- und Lichtstimmungen, die fast ausschließlich Berliner Gebäude zum Thema haben (Schloß, Dom, Siegessäule, u.a.). Die hier gezeigte Nepumokbrücke ist eine große Ausnahme.

Franz Türcke wurde 1877 in Dresden geboren. Ab 1884 wuchs er in Berlin auf, da sein Vater als Porzellanmaler an die Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM) berufen worden war. Mit 14 Jahren trat auch der Sohn als Lehrling dem Manufakturcorps bei. Ab 1900 studierte Türcke Malerei an der Hochschule für Bildende Künste. Hier war er Schüler von Eugen Bracht, Friedrich Kallmorgen (1902-05) und schließlich Meisterschüler bei Albert Hertel (1905-10). 1903 wurde er für seine Landschaftsmalerei mit dem Blechen-Preis der Akademie ausgezeichnet. Noch zu Studienzeiten begann Türcke wieder für die KPM zu arbeiten. Ab 1909 war er jedoch nicht mehr nur ausführender Maler sondern durfte selbst Malereidekore entwerfen. Nun entstanden vornehmlich Landschaftsansichten, deren Vorlagen der Künstler während ausgedehnter Studienreisen durch ganz Deutschland schuf. Bis 1927 war er dort fest angestellt und zählte zu den bedeutendsten Malern und Entwerfern. Danach arbeitete Türcke bis zu seinem Tod 1957 als freischaffender Künstler in Berlin.

  1. Abb. als „Frühlingsnacht“ in: Die Kunst für Alle 25 (1910), 490.