Beschreibung
Achteckiges Tablett mit der Darstellung
Venus, den Amor tröstend, da dieser von einer Biene gestochen wurde
(verkürzt auch Venus und Amor)
Entwurf
Friedrich Rehberg (1758–1833), 1794
inspiriert von der 40. Ode Eros und die Bienen oder Der Honigdieb
aus der Sammlung des Anakreon (ca. 570–488 v. Chr.)
Ausführung
Frédéric Frégevize (1777–1849)
für die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin, 1810
Ausgestellt auf der Berliner Akademie-Ausstellung im September 1810
Maße
Ca. 29,8 x 37,6 x 3,1 cm
Marken
Zepter in Unterglasurblau; Pressmarke 26
EROS UND DIE BIENEN (Der Bienen-Stich)
O Schmerz, den Amor fühlte,
Als er mit Rosen spielte;
Und den, als er die schönste brach,
Ein Bienchen in die Finger stach.
Schnell flog aus seinem Munde
Ein Seufzer. Sieh die Wunde!
Ach liebe Venus! Heile mich
Von dem vermaledayten Stich.
Macht Dir, rief sie mit Scherzen,
Ein Bienenstich die Schmerzen;
So denke Bube! Denke dran,
Wie tief Dein Pfeil verwunden kann!
Das achteckige Plateau zeigt eine Darstellung des um 500 v. Chr. entstandenen Gedichtes Eros und die Bienen aus der Sammlung des griechischen Lyrikers Anakreon. In ihm wird Eros/Amor beim Versuch, Honig aus einer Blume zu entwenden von einer Biene gestochen. Voll Schreck und Schmerz läuft er zu seiner Mutter Venus, die ihn tröstend in den Arm nimmt. Voll Weisheit und Lebenserfahrung erklärt sie ihrem Sohn, um wieviel schmerzhafter der Liebespfeil einem Menschen zusetzen kann als der Stich einer kleinen Biene. Andere Deutungen verweisen auf die Nähe zwischen Lust und Schmerz oder die schmerzhaften Konsequenzen für unbesonnenes Handeln.
Die Darstellung und Rehbergs Beschäftigung mit dem Sujet
Friedrich Rehberg verortet seine Interpretation des Gedichtes in eine klassisch-idealisierte Landschaft mit Schäferszene, einer Bootspartie in Zweisamkeit und einem antikisch anmutenden Gebäude. Ergänzend baut er in seine Darstellung folgende beachtenswerte Details ein:
Der klassizistischen Kunstauffassung seiner Zeit folgend zeigt er Venus in einem antiken Gewand mit wallendem Schleier, Perlenschmuck und Sandalen auf einer Wolke stehend, die die Übermenschlichkeit der Göttin symbolisiert. Ihr zur Seite gestellt ist ein turtelndes Taubenpaar, das auf die reine göttliche Liebe verweist, jedoch auch einen Bezug zur erotischen Deutung des Gedichts herstellen kann. Am unteren Bildrand findet der Betrachter die Rosensträucher, die Amor zu Beginn der Episode angelockt haben. Dieser blickt trostsuchend zu seiner Mutter auf, die ihn mit beiden Händen tröstend empfängt.
Mit dem Sujet des Honigdiebes beschäftigte sich Rehberg bereits in den 1790er Jahren in Rom, wo er die meiste Zeit seines Künstlerlebens verbrachte. 1794 malte er dort ein erstes hochformatiges Ölgemälde, das in Auffassung, Anordnung und Farbigkeit bereits der Ansicht auf unserem Porzellanplateau entsprach.[1] Diese Urversion verkaufte der Künstler kurz darauf an den exzentrischen Lord Bristol (eigentlich Frederick Augustus Hervey, 4. Earl of Bristol and Bishop of Derry).[2] Dieser hatte in Rom eine außergewöhnliche Kunstsammlung aufgebaut und führte ein ausschweifendes Leben mit Kontakten in die höchsten europäischen Kreise und zu allen wichtigen Künstlern der Stadt.[3]
Heute existieren mindestens zwei Bilder mit identischer Darstellung von Eros und die Bienen. Zum einen befindet sich in der Münchner Residenz eine signierte und mit Rom 1808 datierte und lokalisierte spätere Version (83 x 64 cm),[4] eine weitere (ca. 157,2 x 137,1 cm), weder signiert noch datiert, wurde 2008 und 2021 auf dem englischen Auktionsmarkt angeboten.[5] Ob es sich bei dem zweiten dieser Gemälde um das Original handelt, ist nicht mit Sicherheit auszuschließen, erscheint aber ob der fehlenden Signatur unwahrscheinlich.[6]
Desweiteren beschickte Rehberg 1798 die Berliner Akademieausstellung mit einer Kreidezeichnung Venus und Amor von einer Biene verwundet.[7] Zwei Jahre später wurde dort ein Fächerblatt gezeigt, das in Rom von einem Unbekannten neben der Darstellung Der von einer Biene verwundete Amor mit der Venus mit zwei weitere Rehberg-Bilder gestaltet wurde.[8] Dieses Fächerblatt muss als ganz besonderes Objekt gesehen werden, da es Rehberg auf speziellen Wunsch des Vorsitzenden der 1787 ins Leben gerufenen Königlichen Porzellan-Manufacturs-Comission Friedrich Anton Freiherr von Heinitz in Rom hatte fertigen lassen. Es fungierte schließlich als Geschenk zum 23. Geburtstag von Königin Luise am 10. März 1800. Am 24. Juli desselben Jahres berichtete Heinitz dem Künstler nach Rom: Sie haben sehr viel Sensation erregt und außerordentlichen Beyfall gefunden […].[9] Als besondere Ehre stellte es die Akademie im September öffentlich aus.
Außerdem befand sich eine kleinere kolorierte Federzeichnung der Bienenanekdote bis 1945 in der Sammlung des letzten Herzogs Joachim Ernst von Anhalt im Dessauer Schloss.
Die Vorlage für die Porzellanmalerei
Für die Übertragung auf Porzellan fertigte der Künstler einige Jahre später – höchstwahrscheinlich in der Zeit nach Dezember 1803 bis 1805, als er erstmals seit 1787 wieder in Berlin weilte – eine weitere verkleinerte Version.[10] Die mit Deckfarben gemalte genaue Vorlage der Darstellung befand sich bis zu ihrem auslagerungsbedingten Verlust im Zweiten Weltkrieg in der Sammlung der Manufaktur. Im Gemälde-Verzeichnis der Vorlagensammlung der KPM erschien sie unter der Nummer 92 als Original von Rehberg unter dem Titel Amor von einer Biene gestochen.[11]
Im Jahre 1805 erhielt Rehberg auf Veranlassung von Friedrich Wilhelm Graf von Reden, dem Nachfolger Heinitz‘ als Vorsitzender der Manufaktur-Kommission, zehn Dukaten für dieses Gemälde (und zehn weitere für seinen Narciß).[12]
Eine in der KPM entstandene, von Georg Lenz wohl fälschlich um 1795 datierte, Tasse zeigt ebenfalls den Bienenstich nach Rehberg, allerdings seitenverkehrt und leicht vereinfacht.[13] Möglicherweise lag dieser Tasse eine graphische Darstellung des ursprünglichen Ölgemäldes zugrunde; stimmt aber die in der Forschung genannte Zuschreibung an den Maler Carl Rohloff, der erst 1803 seine Lehre als Figurenmaler begann, wird auch hier Rehbergs Deckfarbenbild als Vorlage gedient haben.[14]
1818 erschien die Szene ein weiteres Mal auf Berliner Porzellan: Für das vom späteren Kurfürsten Wilhelm II. von Hessen-Kassel bei der KPM bestellte, insgesamt 1880 Teile umfassende Service vom Eisernen Helm entstand in der Art der Feldherrenservice nach den Befreiungskriegen eine Desserttellerfolge mit mythologischen Ansichten. Mindestens drei Darstellungen nach Rehberg-Gemälden wurden hierbei verwendet: Neben der Darstellung Venus tröstet den von einer Biene gestochenen Amor, die den gesamten Tellerspiegel bedeckt und von einer Rehberg’schen-Kante in Gold umrahmt wird (siehe unten), trugen zwei weitere Teller Ansichten nach Bildern des Malers; einer zeigte Homer und die Muse (siehe unten), der andere Amor und Psyche.[15]
Weitere KPM-Porzellane mit Rehberg-Bildern
Außer diesen Beispielen sind mindestens zwei weitere bedeutende KPM-Porzellane mit Ansichten nach Ölbildern von Rehberg bekannt:
1803 übertrug Johann Heusinger, der Zeichenlehrer der preußischen Prinzen Friedrich Wilhelm (IV.) und Wilhelm (I.), im Auftrag der Berliner Manufaktur eines der bekanntesten Werke des Malers auf einen Tellerspiegel der KPM.[16] In seiner typischen Manier gestaltete Heusinger die Darstellung Der geblendete Belisar, Almosen empfangend in Sepia-Malerei. Das Rehberg’sche Original hatte dieser 1790 in Rom gemalt und noch im selben Jahr nach Berlin geschickt. Hier wurde es mit dem Preis der Akademie ausgezeichnet, von König Friedrich Wilhelm II. erworben und 1791 in der Akademie präsentiert. In den folgenden Jahren wurde es des Öfteren kopiert, u.a. von Heusinger, dessen 1802 auf der Akademieausstellung gezeigte Sepiazeichnung in den Besitz der Prinzessin Marianne gelangte und in ihren Schlafgemächern im Berliner Stadtschloß aufgehängt wurde. Diese Zeichnung diente wohl als Vorlage für den I.H. monogrammierten und 1803. datierten KPM-Teller.
1816, also noch vor dem Service vom Eisernen Helm, entstand in der KPM eine Porzellantischplatte, die in einem runden Ausschnitt das Rehberg-Gemälde Homer von der Harmonie geleitet zeigte und noch im selben Jahr auf der Akademie-Ausstellung präsentiert wurde.[17] Zwei Jahre später wurde sie, nun in einem von Karl Friedrich Schinkel entworfenen Bronzegueridon in elaborierter Palmenform montiert, von König Friedrich Wilhelm III. an Lady Elgin verschenkt, die Gattin des 7. Earl of Elgin Thomas Bruce, der 1795–99 britischer Botschafter in Berlin gewesen war. Auch diese Darstellung ging auf ein älteres Gemälde des Künstlers zurück, das wie unsere Venus und Amor-Szene des Öfteren kopiert und auch auf einem weiteren Fächer mit Rehberg-Bildern erschien.[18] Mit hoher Wahrscheinlichkeit war die Deckfarbenarbeit Homer des Künstlers, die sich im Besitz der KPM befand, die direkte Vorlage für die runde Tischplatte.[19]
Auch auf die Golddekoration der KPM nahm Rehberg Einfluß: ein spezielles, Anfang des 19. Jahrhunderts oft für Tassen- und Tellerränder in Berlin verwendete Palmettenornament, das ursprünglich auf ein antikes Marmorfragment in Rom zurückging und 1805 von Carl Heathcote Tatham veröffentlicht wurde, bezeichnete man intern – wohl weil der Künstler auf den Kupferstich des Ornaments aufmerksam gemacht oder ihn direkt aus Rom nach Berlin geschickt hatte – erhabene Rehbergsche Arabesque oder erhabene Goldkante à la Rehberg.[20]
Kurzbiografie Friedrich Rehberg
Friedrich Rehberg wurde am 22. Oktober 1758 als Sohn des Verwalters der Güter Calenberg Johann Friedrich Rehberg und seiner Frau Sophia Charlotte in Hannover geboren; er hatte zwei Geschwister August Wilhelm, später ein angesehener Staatsmann, Philosoph und Schriftsteller (geb. 1757) und eine Schwester Caroline, die wie ihr Bruder hohes zeichnerisches Talent besaß. Die Familie war eng mit dem Hofkirchenprediger Johann Adolf Schlegel und dessen Kindern, speziell den Söhnen August Wilhelm und Friedrich befreundet.
Nach seinem Schulabschluss studierte Friedrich Rehberg zunächst ab 1775 bei Adam Friedrich Oeser in Leipzig, dann an der Kunstakademie in Dresden bei Giovanni Battista Casanova und Johann Eleazar Schenau. Schon früh entwickelte er ein Interesse an der antiken Kunst sowie an den Idealen des aufkommenden Klassizismus. Bereits Ende 1777 gelangte er auf Empfehlung Casanovas nach Rom, wo er intensive Studien, besonders von Raphael, Caracci, Domenichino und Michelangelo begann und einer der letzten Schüler von Anton Raphael Mengs wurde. Zudem befreundete er sich mit Jacques-Louis David und besuchte die französische Dependance der Pariser Akademie, die bereits 1666 etablierte Académie de France à Rome. Darüber hinaus knüpfte Rehberg wichtige Kontakte in die einflussreichen Kunstkreise der Stadt.
1783 kehrte er nach Hannover zurück, wo er Bildnisse von Friedrich August von Hannover, Bischof von Osnabrück und Duke of York and Albany und Wilhelm Heinrich von Hannover anfertigte, beides Söhne des englischen Königs Georg III. Im folgenden Jahr wurde Rehberg vom aufgeklärten und äußerst kunstsinnigen Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (genannt Fürst Franz) zum Zeichenlehrer am Philanthropinum in Dessau berufen und unterrichtete Erbprinz Friedrich. Den Fürsten begleitete er auf einige Reisen und blieb ihm zeitlebens freundschaftlich verbunden.
Von Dessau ging Rehberg nach Berlin, wo er am 8. Juni 1786 auf Empfehlung des bis dahin am anhaltinisch-dessauer Hof wirkenden, frühklassizistischen Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff als ordentliches Mitglied an der Akademie aufgenommen wurde.[21] Auf der ersten Ausstellung der Institution zeigte der Künstler drei Kreidezeichnungen.[22]
Am 5. Januar des folgenden Jahres wurde Rehberg zum Professor ernannt und erhielt von Staatsminister Friedrich Anton Freiherr von Heinitz, der für Akademie und Porzellanmanufaktur zuständig war, einen prestigeträchtigen Auftrag zu einer speziellen Direction: Als Gewährsmann der Berliner Institutionen sollte Rehberg nach Rom zurückkehren und vor Ort den Aufbau einer preußischen Kunstschule leiten. So machte er sich noch im selben Jahr auf den Weg und gelangte über Antwerpen, Brüssel, Paris und die Schweiz nach Italien zurück.[23] In Rom begann er sogleich die Aufbauarbeit, allein die politischen Umstände ließen das Projekt letztendlich scheitern. Jedoch wurde Rehberg trotzdem schnell zu einem der wichtigsten Persönlichkeiten im deutschen Kunstleben der Stadt, eng vernetzt mit Künstlern und Mäzenen aus In- und Ausland.[24]
Seine offizielle Direktion nahm Rehberg schnell auf und stetig sehr ernst: Zum einen kümmerte er sich um Stipendiaten und Akademieschüler, die in Rom ihre Studienzeit verbrachten, sorgte beispielsweise dafür, daß ihnen Zugang zu den wichtigsten Sammlungen und Galerien verschafft wurde. Zum anderen lieferte er aktuelle Druckwerke und Gipsabgüsse – meist von antiken Vorlagen –, wichtige Hintergrundberichte und originale archäologische und Manufakturarbeiten an die Studiensammlungen der Akademie und in geringerem Umfang der KPM.[25] Auch kopierte er selbst bedeutende antike Bauten, Kunstwerke oder Fragmente und schickte sie zu Studienzwecken zurück nach Berlin, wo sie von Akademiestudenten kopiert wurden und/oder Manufakturbediensteten als Anschauungsmaterial dienten.
Zudem erblühte Friedrich Rehberg nun auch als autonomer Maler, der seine oft großformatigen Bilder mit mythologischen und historischen Sujets gewinnbringend an zahlungskräftige Sammler in ganz Europe verkaufte.[26] Viele Gemälde schickte er zurück nach Berlin und ließ sie in der Akademie zeigen, so seinen Belisar, der 1791 den Großen Preis derselben gewann.[27]
Stilistisch orientierte sich der Künstler in seinen Historiendarstellungen zunächst eng an Werken Angelika Kauffmanns, ihre sentimental-klassizistische Vermittlung der antiken Vorbilder erfreute sich großer Beliebtheit. Zu den Käufern seiner oftmals wiederholten Bilder zählten in den 1790er Jahren König Friedrich Wilhelm II. (später auch dessen Nachfolger FWIII), Kaiserin Josephine, Zarin Maria von Rußland, Fürst Thurn und Taxis, Lord Bristol, Herzog von Cambridge, Herzog von Leuchtenberg, Wilhelmine Rietz (Gräfin Lichtenau), sein Künstlerkollege Bertel Thorvaldsen und auch kunstsinnige Rom-Reisende auf Grand Tour. In seinen riesigen Wohnräumen – Rehberg lebte in Rom auf grossem Fusse, er hatte eine für damalige Verhältnisse fast glänzende geräumige Wohnung, mit Gypsabgüssen und mit Gemälden reich ausgestattet[28] – veranstaltete er regelmäßig Soirées, zu denen die Crême de la Crême der römischen Kunstwelt geladen wurde.[29] In seinen satirischen Rom-Betrachtungen beschrieb Joseph Anton Koch, als Schüler von Asmus Jakob Carstens oftmals künstlerisch und gesellschaftlich in Opposition zu Rehberg, diese Treffen mit Spott und bezeichnete den Gastgeber selbst als Spitznäschen.[30]
Eine große Förderin fand der Künstler in der Gräfin Friederike Wilhelmine Luise von Solms-Baruth, in deren wöchentlichem Salon er den Violinenpart im Hausorchester spielte und die ihm einige Porträtaufträge verschaffte.[31] Auch eine regelmäßige Teilnahme an Carl Ludwig Fernows römischem Lesezirkel in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts ist verbürgt.[32]
Anfang der 1790er Jahre fuhr Rehberg nach Süditalien und besuchte die Porzellan- und Fayencefabriken in Neapel und Nola, von wo er Vasen und Tassen im antiken Geschmack mit etruskischen Dekorationen und zahlreiche eigene Zeichnungen und Beschreibungen der von ihm nicht erworbenen Stücke nach Berlin schickte.[33] In Neapel besuchte er zudem Sir William Hamilton, den englischen Gesandten am neapolitanischen Hof, den er bereits in London kennengelernt hatte und der ab 1765 einen großen Einfluß auf Rehbergs ehemaligen Dienstherren Fürst Franz von Anhalt-Dessau gehabt hatte.[34] Hamilton war dem Künstler schon mehrfach auf dem Gebiet der Kunst behilflich gewesen war, in Rom hatte man sich 1787/88 gemeinsam mit Moritz und Goethe getroffen. Der große Kunstsammler hatte die Ausgrabungen von Herkulaneum finanziell unterstützt und hielt regen Austausch mit Gelehrten, Künstlern und Politikern in ganz Europa.[35] Anläßlich seines Besuchs hielt Rehberg die kontinentweit berühmt gewordenen tänzerischen Attitüden der Lady Emma Hamilton (geb. Amy Lyon), die diese für Besucher des Hamilton-Salons als tableaux vivants aufzuführen pflegte, in Zeichnungen fest. Zwölf dieser Blätter mit Darstellungen der antikisierenden Schleiertänzerin im griechischen Gewand veröffentlichte er – gestochen von Tommaso Piroli und ohne den Namen Lady Hamiltons explizit zu nennen – 1794 mit überwältigendem Erfolg (Drawings faithfully copied from nature at Naples and with permission dedicated to the Right Honourable Sir William Hamilton, his Brittanic Majesty’s Envoy extraordinary and plenipotentiary at the court of Naples. By his most humble Servant Frederick Rehberg. Historical Painter in his Prussion Majesty’s Service at Rome).[36]
Außerdem erschienen in der ersten Hälfte der 1790er Jahre auch mehrere Radierungen des Künstlers, so zwei Folgen von Römischen Figuren (sechs, resp. sieben Blätter, beide 1793) und mindestens eine italienische Ansicht in Einzelausgabe oder für andere Druckwerke, nämlich die Ansicht der Grotta di Matrimonio, in der Insel Capri im 1794 erschienenen Vierbänder Reise in Deutschland, der Schweiz, Italien und Sicilien von Friedrich Leopold Graf zu Stolberg. 1795 kopierte Rehberg insgesamt 40 Blätter mit mythologischen Darstellungen des portugiesischen Künstlers José Teixeira Barreto für eine Zweitauflage des erst im Jahr zuvor erschienenen Scherzi poetici e pittorici, das Liebeslyrik des römischen Dichters Giovanni Gherardo Rosse vorstellte.
Die folgenden Jahre verbrachte Rehberg in Rom, stand aber immer in engem Kontakt nach Berlin, insbesondere zu Heinitz und der Porzellanmanufaktur.[37]
Als die großen Aufträge aus Berlin ausblieben und die Verkäufe in Rom nicht mehr seinen aufwendigen Lebensstil finanzieren konnten, unternahm Rehberg 1803–05 eine ausgedehnte Reise durch Europa. Erstmals seit 1787 kehrte er nach Berlin zurück, wo er u.a. Staatsminister Karl August von Hardenberg, den Nachfolger des verstorbenen Heinitz als Kurator der Akademie, und Friedrich Wilhelm von Reden, den neuen Vorsitzenden der Porzellanmanufakturs-Commission kennenlernte. Eine von ihm initiierte Ausstellung seiner neuesten Werke in der Akademie wurde zu einem großen Erfolg, nicht zuletzt das Königspaar Friedrich Wilhelm III. und Luise von Preußen gaben neue Werke in Auftrag. Eine anschließende Reise führte Rehberg 1805 über Sankt Petersburg, Paris, London und Wien zurück nach Rom, wo der nochmalige Versuch einer Etablierung einer preußischen Akademie unter seiner Leitung als Akademiesekretär an den Napoleonischen Kriegen erneut scheiterte. In der Folge führte Rehberg verstärkt Auftragsarbeiten aus, so um 1808 ein Bildnis der Gräfin Balk als Aurora für Marianne von Eybenberg, eine langjährige Briefpartnerin Goethes.[38] Auch entstanden weitere Variationen älterer Bilder wie eine Darstellung Phöbus nimmt die Nacht von der Erde und verleiht dieser zugleich Morgenlicht, die eine frappante Ähnlichkeit zu seinem Amor und Psyche aufweist.[39]
So wie zehn Jahre zuvor zwangen die Verhältnisse in Rom Rehberg zu einer weiteren Reise gen Norden. Im September 1812 hielt er sich in Dresden auf, wo ein Selbstbildnis in schwarzer Kreide entstand;[40] Anfang 1813 traf er in Berlin ein. Hier blieb eine größere Ausstellung eigener Werke – u.a. mit dem großen Niobe-Bild, einigen Landschaftszeichnungen aus Italien, Frankreich und der Schweiz und drei Porträts (Karl Philipp Moritz, Friedrich Fritz Bury und Königin Karoline von Bayern mit ihren Töchtern, den Prinzessinnen Louise und Amalie – und Teile seiner eigenen Sammlung italienischer Künstler jedoch ohne großen Erfolg. Auch König Friedrich Wilhelm III. konnte sich zu keinem Ankauf entschließen, so daß der Künstler die preußische Hauptstadt bereits im April 1813 wieder verließ. Sein Weg führte ihn nach London, wo er längere Zeit blieb und einige seiner Werke 1815 in einer Ausstellung in der Royal Academy gezeigt wurden. Hier entstanden u.a. eine Allegorie zur Abdankung Napoleons (Bonaparte, resigning the Crown and Sceptre to the British Lion), deren Kupferstich weit verbreitet wurde, und eine Verherrlichung auf die Ankunft und den Empfang von Adolph Friedrich Herzog von Cambridge als Generalgouverneur und Vizekönig in Hannover. Darüber hinaus widmete sich Rehberg nun verstärkt der Bildniskunst, so saßen ihm in England u.a. besagter Herzog von Cambridge, der preußische Kriegsheld Fürst Gebhard Leberecht Fürst von Blücher (vor der Schlacht von Waterloo), der deutsch-britische Astronom Sir William Hershel und Madame de Staël Modell.
1818 kehrte Rehberg über München und Tirol, wo einige Landschaften und Porträts entstanden (u.a. zwei Blätter des Ehepaares Josef und Marie Speckbacher), noch einmal nach Rom zurück. Im selben Jahr schuf er Bildnisse der einflußreichen Bildhauer Bertel Thorvaldsen und Antonio Canova; im Frühjahr 1819 stellte er im Palast Caffarelli auf dem Capitol einige Zeichnungen aus. Als Auftragsarbeit für den österreichischen Kaiser Franz I., der kurz darauf in Rom weilte, zeichnete Rehberg kurz darauf ein großes Panorama von Innsbruck, das in mehreren lithografierten Blättern erschien.[41] In Innsbruck traf Rehberg auch seinen alten Freund aus Rom, den Maler Josef Schöpf, den er kurz vor dessen Tod porträtierte.[42] Bis 1821 hielt der Künstler sich dann in Wien auf, wo er weitere Bildnisse ausführte, u.a. von Pietro Nobile, dem Direktor der Architekturabteilung der Wiener Kunstakademie, der Berliner Schauspielerin Auguste Stich, die in der Rolle der Johanna von Orléans 1820 große Erfolge am Burgtheater feierte und des Komponisten Antonio Salieri, wohl das letzte vor seinem Tod wenige Monate später.
Im Anschluß an seinen Wien-Aufenthalt nahm sich Rehberg eine Wohnung in München, wo er 1825 Mitglied des Kunstvereins wurde und bis zu seinem Tode ansässig blieb.[43] Auf Wunsch des preußischen Kultusministers und neuen Kurators der Berliner Akademie Karl Freiherr vom Stein zum Altenstein beschäftigte sich der Künstler weiterhin lange Jahre mit der Kunstform der Lithografie.[44] Eine erneute Berufung nach Berlin zur Etablierung dieser Vervielfältigungsmethode kam nicht mehr zustande.
In der bayrischen Hauptstadt führte Rehberg noch weitere Porträts aus, u.a. 1822 eines seines Künstlerkollegen, dem Miniaturmaler Anton Pfaundler von Sternfeld und ein Bildnis des Hofmusikers und Flötenvirtuosen Theobald Böhm. Außerdem widmete sich Rehberg nun kunsthistorischen Forschungen und gab 1824 ein umfangreiches Werk zu Leben und Werk des Raphael Sanzio von Urbino mit zahlreichen lithografierten Arbeiten heraus.[45] Dies erhielt Friedrich Wilhelm III. 1825 zum Geschenk, woraufhin er bei Rehberg eine Serie zu den Anfangsgründen der Zeichenkunst bestellte, die dieser bis 1828 in 13 Blättern fragmentarisch erdachte und bis 1831 in Form zweier Hefte herausgab. Für die 1830 erschienene Überblickspublikation Pantheon berühmter Menschen aller Zeiten stellte Rehberg einige seiner Porträts zur Verfügung, u.a. ein Bildnis von Ludwig I. König von Bayern. Auch ein Porträt von Rehberg selbst erschien 1825 nach einer Zeichnung von Filippo Benucci als Lithografie.
Die letzten Jahre des Künstlers waren geprägt von Zweifeln (u.a. zerstörte er große Teile der Steine seines Raphael-Werks und der Zeichenkunst), Kummer und Armut. Am 20. August 1835 starb Friedrich Rehberg nach langer Krankheit im Alter von 76 Jahren in München. Fünf Jahre später gab seine Nachlassverwalterin Auguste Perl die Hamilton-Attitüden, die zu Lebzeiten sicherlich das am weitesten verbreitete Werk des Künstlers gewesen waren, neu heraus und sorgte so für ein nachhaltiges Andenken an den Verstorbenen.
Die Berliner Akademie-Ausstellung 1810
Aus der Abteilung Fabrik- und künstliche Gewerbe-Arbeiten. Aus der Königl. Porzellan-Manufaktur. 250. Ein Plateau: Venus, welcher Amor klagt, daß er von einer Biene gestochen worden; von Herrn Fregevize, nach Rehberg.[46]
Mit dieser bemerkenswerten Arbeit debütierte der erst kurz zuvor an der Königlichen Porzellan-Manufaktur aufgenommene, neue, ebenso fähige wie vielseitige Maler Frédéric Frégevize (1770–1849) 1810 auf der Berliner Akademie-Ausstellung, wo die jeweils wichtigsten und künstlerisch wertvollsten Erzeugnisse der KPM präsentiert wurden.[47] Speziell in diesem Jahr, dem Todesjahr der Königin Luise und kurz nach der Rückkehr der königlichen Familie ins von der französischen Besatzung befreite Berlin zeigte die Manufaktur eine hochkarätige Auswahl ihrer Spitzenerzeugnisse, insgesamt fast 70 Porzellane und Entwürfe. Von Frégevize wurden außer dem Bienenstich-Plateau noch sieben weitere Arbeiten ausgestellt (wohl Vorzeichnungen), fünf Landschaften und je zwei Madonnen und Genien nach Raphael.[48]
Fréderic Frégevize und sein Wirken für die KPM Berlin
Frédéric (Friedrich) Frégevize entstammte einer in Berlin und Genf ansässigen Hugenottenfamilie. Sein Vater Jean-François war in Berlin geboren worden und kurz vor Frédérics Geburt 1770 mit der Familie nach Genf gezogen, wo er als Goldschmied arbeitete.[49] 1785 kehrten die Frégevizes nach Berlin zurück, wobei der Sohn weiterhin auch einige Zeit in Genf verbrachte und dort als Maler (Blumen, Landschaften, Porträts) und Bijoutier wirkte. Anfang der 1800er Jahre übersiedelte auch Frédéric dauerhaft in die preußische Hauptstadt und wurde 1804 als Bürger registriert. Im selben Jahr (dem Todesjahr seines Vaters) wurde er mit einer goldenen Tabatiere als Amtsmeister der Goldschmiedegilde zugelassen und begann eine künstlerische Weiterbildung an der Berliner Akademie.[50] Zum 1. Juli 1809 nahm ihn die KPM offiziell als Angehörigen des Malercorps auf, dem er viele Jahre angehörte.
Gleichzeitig widmete sich Frégevize aber auch verstärkt der Ölmalerei. Zwischen 1812 und 1830 stellte er regelmäßig auf den Akademieausstellungen aus, vorwiegend Landschaften aus seiner Schweizer Heimat, dem Alpenraum und Schlesien, teils mit Genreszenen kombiniert. Desweiteren aber auch Porträts, Historienbilder und Arbeiten auf Porzellan.[51] Am 16. Dezember 1820 wurde Frégevize zum ordentlichen Mitglied der Akademie in der Sektion für die Bildenden Künste gewählt, den Professorentitel hatte er jedoch schon vorher getragen.[52] Auch das Preußische Königshaus erwarb Arbeiten des Künstlers, u.a. hingen fünf schlesische Ansichten lange Zeit im Potsdamer Stadtschloß (von Friedrich Wilhelm III. 1826 auf der Akademieausstellung erworben);[53] aus der Sammlung des Bankiers Joachim Heinrich Wilhelm Wagener gelangten zwei Pendants mit Ansichten von Genf in die 1861 gegründete Berliner Nationalgalerie.[54]
1829 kehrte Frédéric Frégevize nach Genf zurück, war in den 1840er Jahren lange Jahre in Dessau ansässig, und wirkte dann bis zu seinem Tode am 9. Oktober 1849 in seiner Geburtsstadt. Hier beteilige er sich an diversen Kunstausstellungen, nachdem er bereits 1823 zum Ehrenmitglied der Genfer Société des Arts ernannt worden war.
Eine spezielle Besonderheit seiner späteren Malereidekore für die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin war die Tatsache, daß Frégevize einige seiner Arbeiten signieren durfte, was in der damaligen Zeit eine ungewöhnliche Ehre bedeutete. Dies verdeutlich das hohe Ansehen, das sich der vielseitige Künstler im Laufe seiner Karriere erarbeitet hatte. In diesen Darstellungen auf Tellern oder Platten beschränkte er sich vorwiegend auf stimmungsvolle Landschaften, oft ergänzt mit genreartigen Szenen des beschwingten Landlebens, ganz im Stil seiner Ölgemälde, aber auch in einfarbigen Sepiamalerei. Eine typische Arbeit des Malers wurde beispielsweise 1812 in der Akademie gezeigt: 418. Eine große Porzellan-Platte, in goldenem Rahmen eingefaßt, Abendszene; fröhliche Gesellschaft unterm Baume; Mondbeleuchtung; in Sepiamanier gemahlt von Herrn Fregevize.[55]
Im selben Jahr entstand ein Porträt der Friederike Auguste Frick, Gemahlin des Geheimen Bergrats, Arkanisten und späteren Direktors der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin Georg Friedrich Christoph Frick, mit ihrem Sohn Georg Gustav Adolf, das die besondere Verbundenheit des Künstlers mit der KPM und ihren wichtigsten Protagonisten verdeutlicht.[56]
Seinen Einfluß auf ihm nachfolgende Künstler der Manufaktur zeigt der Fakt, daß der spätere große Landschaftsmaler Carl Daniel Freydanck 1830 mit einer Landschaft in Öl, nach Fregevize sein Debüt auf der Berliner Akademie-Ausstellung feierte.[57]
Das Tablett als Malträger
Das Modell des Plateaus fand außer als Malträger eines besonderen Dekors wie hier auch als Tablett mehrerer spektakulärer Service Verwendung: so bei dem wohl solitär gebliebenen Déjeuner im ägyptischen Stil und einem Service mit Mikromosaikmalerei.[58]
Die Seltenheit des Modells hat sicherlich mit den technischen Schwierigkeiten bei der Herstellung solch ebener Flächen zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu tun. Die KPM Berlin war lange Zeit die einzige Manufaktur, der es gelang, größere flache Platten als Malträger für große Porzellangemälde zu produzieren.
[1] Der seit 1782 in Rom ansässige damalige Fürstlich Weimarischen Rat Aloys Hirt (ab 1796 in Berlin erster Professor für Archäologie an der neu gegründeten Berliner Universität und Initiator des Alten Museums und Mitbegründer der Bauakademie) berichtet in einem Brief an Johann Wolfgang von Goethe vom 28. Juni 1794 aus der Ewigen Stadt: Rehberg hat sich sehr gebeßert, auch im Mahlen, unter andern in einem recht großen Bilde den verwundeten Amor mit der Venus nach Anacreon vorstellend; es muß jedem gefallen. Zitiert nach: Aloys Hirt – Briefe & amtliche Schriften, unter https://aloys-hirt.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=prov_j1t_gnv_y5, abgerufen am 2. April 2026.
[2] Vgl. Brief von Aloys Hirt an Karl August Böttiger vom 20. Oktober 1798, Aloys Hirt – Briefe & amtliche Schriften, unter https://aloys-hirt.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=prov_r2q_rg1_kv, abgerufen am 2. April 2026.
[3] Der äußerst reisefreudige Lord Bristol ließ in England mehrere extravagante Bauten vollenden, u.a. in Downhill, Londonderry und seinem Familiensitz Ickworth House in Suffolk. Von seinen Zeitgenossen als englischer Casanova betitelt, hatte er zahlreiche Affären, so mit Wilhelmine Gräfin von Lichtenau und Emma Lady Hamilton. Von Rehberg erwarb er außerdem noch eine Wiederholung von dessen Ölbild Julius Sabinus. Das Original wurde 1796, ebenso wie Oedipus und Antigone, von der Gräfin Lichtenau in Rom für das preußische Königshaus erworben und 1798 auf der Berliner Akademie-Ausstellung gezeigt.
[4] Das Bild hängt, gemeinsam mit dem Rehberg-Pendant Homer und die Muse an der Stirnwand links im Leuchtenberg-Zimmer (vgl. Raumbuch der Münchner Residenz, 41, unter https://www.residenz-muenchen.de/deutsch/service/Raumbuch_Residenzmuseum.pdf, abgerufen am 1. April 2026.)
[5] Vgl. Christie’s London, Old Master and British Pictures, 25. April 2008, Los 90 Venus consoling Cupid stung by a Bee (ex Grimaldi Collection) und Christie’s New York, The Kagan Collection, online 8.–23. April 2021, Los 15 Venus and Cupid. Auf letzterer Auktion wurde auch Rehbergs kleine Ölstudie Apollo, Artemis and Niobe angeboten (Los 9).
[6] Vgl. https://www.lostart.de/de/verlust/objekt/amor-von-einer-biene-gestochen/421321, abgerufen am 27. März 2026.
[7] Ausst.Kat. Akademie der Künste Berlin, Verzeichniß der zu der Kunstausstellung der königl. Akademie der bildenden Künste und mechanischen Wissenschaften eingesandten Gemälde, Kupferstiche u.s.w., Berlin 1798, Nr. 301. Venus und Amor von einer Biene verwundet, S. 70. Möglicherweise identisch mit der in der Wiener Albertina verwahrten Zeichnung mit der Inventarnummer 14876, aus dem ehemaligen Besitz des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen, Abb. unter: https://sammlungenonline.albertina.at/objects/18531.
[8] Ausst.Kat. Akademie der Künste Berlin, Verzeichniß der zu der Kunstausstellung der königl. Akademie der bildenden Künste und mechanischen Wissenschaften eingesandten Gemälde, Kupferstiche u.s.w., Berlin 1800, Nr. 98. Ein Fächerblatt mit mythologischen Geschichten, nach Rehberg. a. Der von einer Biene verwundete Amor mit der Venus. b. Bachus und Amor keltern Wein. c. Orpheus und Eurydice, S. 46.
[9] GStA PK Rep 79 alt III, Nr. 20, fol. 166, Schreiben vom 24. Juli 1800, zitiert nach: Eva Wollschläger, Römische Motive auf Berliner Porzellan. frühklassizistische Fächerblätter aus Italien und ihr Einfluß auf die Porzellankunst der KPM, in: Keramos 196 (2007), 19.
[10] Der längere Berlin-Aufenthalt war für Rehberg sehr erfolgreich. Er veranstaltete eine Verkaufsausstellung von Werken, die er aus Rom mitgebracht hatte, erhielt vom König 1.500 Taler für ein Werk, das sich noch in Italien befand, wurde von Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise, die ihn besonders schätzte, mit neuen Aufträgen bedacht und lieferte der Akademie – unter dem Heinitz-Nachfolger Karl August von Hardenberg – und der Porzellan-Manufaktur neue Zeichnungen als Malereivorlagen für Schüler und Porzellanmaler.
[11] Vgl. Marianne Ouvrier-Böttcher, Die Arbeiten der Königlichen Porzellanmanufaktur zwischen 1835 und 1890, Diss. TU Berlin, Berlin 1984, 186. Hier sind auch weitere Arbeiten Friedrich Rehbergs verzeichnet, nämlich: 89. Achilles, 90. Homer, 91. Narcissus und 93. Amor und Psyche, jeweils mit dem Zusatz mit Deckfarben gemalt.
[12] Vgl. Dr. Charlotte Steinbrucker, Friedrich Rehberg (1758–1835) und die Berliner Staatliche Porzellan-Manufaktur, in: Sprechsaal 63 (1930), Nr. 32 vom 7. August 1930, 603.
[13] Abb. in: Georg Lenz, Die empfindsame Tasse in der Berliner Königlichen Porzellanmanufaktur, Kunst und Kunsthandwerk 20 (1917), Abb. 12, S. 257. Diese Tasse befand sich ehemals im Besitz des Berliner Kunsthistorikers Charles F. Foerster (1883–1943), der zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine beeindruckende Sammlung preußischer Kunst und Kunsthandwerks des 18. und frühen 19. Jahrhunderts zusammengetragen hatte. (a.a.O., 254). Ihre Untertasse trug die Inschrift: point des Rose sans Epines (Rosenknospe ohne Dornen).
[14] Abb. in: Kunst und Kunsthandwerk 20 (1917), 257.
[15] Abb. in: Ausst.Kat. Orden auf königlichem Porzellan – Das Tafelservice vom Eisernen Helm und die Feldherrenporzellane der königlichen Porzellanmanufaktur Berlin, Museum Schloss Fasanerie, 22. Juni–3. November 2013, Petersberg 2013, Nr. 4.233, 4.235 und 4.237, S. 183–185.
[16] Vgl. Dieter Ponert (Hrsg.), Bestandskatalog Berlin Museum – Kunstgewerbe I Keramik, Berlin 1985, Nr. 154, S. 165/166.
[17] Ausst.Kat. Akademie der Künste Berlin, Verzeichniß derjenigen Kunstwerke, welche von der Königlichen Akademie der Künste in den Sälen des Akademie-Gebäudes auf der Neustadt […] öffentlich ausgestellt sind, Berlin 1816, Nr. 333, S. 66.
[18] Eine Ölversion in der Münchner Residenz, vgl. FN 4; das Fächerblatt befindet sich in: SPSG, KPM-Archiv (Land Berlin). Abb. in: Eva Wollschläger, Römische Motive auf Berliner Porzellan. frühklassizistische Fächerblätter aus Italien und ihr Einfluß auf die Porzellankunst der KPM, in: Keramos 196 (2007), 15.
[19] Vgl. FN 11.
[20] Zitiert nach: Eva Wollschläger, in: Samuel Wittwer (Hg), Raffinesse & Eleganz, München 2007, Nr. 30, S. 198.
[21] Vgl. GStAPK Rep 76 alt III, Nr 9, Acta betr. Die in den Sitzungen der Akademie abgefaßten Protokolle, Vol. 1 von 1786–88. Erdmannsdorff war ein enger Freund und Hofarchitekt des Fürsten Franz und hatte für diesen im Wörlitzer Park mit Schloss Wörlitz 1773 den ersten wichtigen Bau des Klassizismus auf dem europäischen Kontinent vollendet. Ab 1786 gestaltete er für den neuen preußischen König Friedrich Wilhelm II. einige Rokoko-Innenräume des verstorbenen Friedrichs II. in Potsdam und Berlin konsequent im klassizistischen Stil um.
[22] Vgl. Ausst.Kat. Königliche Preußische Akademie der Künste und Mechanischen Wissenschaften, Berlin 1786, Nr. 260–262: 260. Ein Kopf des König Lear, mit schwarzer Kreide gezeichnet, 261. Ein dito der Cornelia, ebenso, 262. Ein dito nach Raphael, ebenso, S. 37.
[23] In Sèvres besuchte Rehberg auf Anordnung von Heinitz die dortige Porzellanmanufaktur und berichtete direkt an den damaligen Berliner Manufakturdirektor Rosenstiel (vgl. Steinbrucker, 601).
[24] Einen besonderen Kontakt hielt er bald zum Kreis um Karl Philipp Moritz, Johann Friedrich Herder und Johann Wolfgang von Goethe. Von den beiden erstgenannten fertigte Rehberg prägnante Bildnisse in Öl.
[25] Zu Rehbergs Wirken auf diesem speziellen Feld siehe ausführlich: Claudia Sedlarz, Die Reform der Berliner Kunstakademie und die „spezielle Direction“ Friedrich Rehbergs in Rom, in: Martin Disselkamp/Claudia Sedlarz/ Iwan-Michelangelo D’Aprile (Hrsg.), Tableau de Berlin. Beiträge zur „Berliner Klassik“ (1786 – 1815). Hannover 2005. S. 245–267. Seine an Heinitz gerichteten Berichte aus Rom sind hier im Original zu finden: GStAPK Rep 76 alt III, Nr 19 und 20 (nach Wollschläger 2007).
[26] Folgende Darstellungen (in Öl und/oder als Zeichnungen) schuf Rehberg in Laufe seines langen Rom-Aufenthaltes, teils wurden sie auch als Stiche vervielfältigt und erlangten so eine große Bekanntheit in ganz Europa: König Lear und Cordelia, Der bettelnde Belisar, Achilles von Cheiron unterrichtet, Der schlafende Endymion (Luna und Endymion), Samson und Delila (?), Aeneas in den elysischen Gefilden, Venus, Die Erziehung der Camilla (nach Vergil), Metabus, König der Volsker, seine Tochter im Bogenschießen unterrichtend, Alexander, Sybille und Aeneas, Melpomene, Fest des Bacchus, Oedipus, Julius Sabinau, Kain, Homer und die Muse, Amor und Bacchus beim Weinkeltern, Raub des Hylas, Oedipus und Antigone, Orpheus und Eurydice, Jupiter mit Venus, Narziß (am Fluß), Venus und Amor, Jupiter und Thetis, Amor und Psyche, Apollo, Artemis and Niobe, Aeneas und Dido in der Unterwelt (zwei verschiedene Darstellungen, die Dido nach Lady Hamilton gestaltet), Niobe und der Tod der Niobiden durch die Geschosse des rächenden Latonenpaares,
[27] Im selben Jahr erhielt seine Mutter in Hannover ein Selbstporträt des Künstlers aus Rom zugeschickt (vgl. Brief von Johanna Christiane Erdmuthe Schlegel an ihren Sohn August Wilhelm von Schlegel in Amsterdam vom Juni/Juli 1791, unter: https://briefe-der-romantik.de/letters/view/5636?left=text&right=manuscript&query_id=69da1499590f4, abgerufen am 11. April 2026).
[28] Andreas Andresen, Die deutschen Maler-Radierer des neunzehnten Jahrhunderts, Leipzig 1866, 64.
[29] 1788–1791 hatte Rehberg in der Casa di Moscatelli (heute Casa di Goethe) gewohnt, wo er gemeinsam mit den Künstlerkollegen Johann Heinrich Schmidt, Friedrich Bury und Johann Georg Schütz in einer Art Wohngemeinschaft logierte. Zuvor hatten hier auch Johann Heinrich Wilhelm Tischbein und Johann Wolfgang von Goethe Unterkunft genommen, ferner die Maler Johann Heinrich Meyer und Johann Heinrich Lips. Im Palazzo Rondanini gegenüber der Casa wohnten in diesen Jahren Alexander Trippel, Antonio Canova und John Flaxman. Vgl. Yvonne Schülke, Farbe & Ton – Ein Beitrag zur Farb- und Tongestaltung des deutschen Klassizismus am Beispiel von Johann Heinrich Schmidt gen. Fornaro (1757–1821), Diss. Universität des Saarlandes, Saarbrücken 2012, 70.
[30] Vgl. Moderne Kunstchronik. Briefe zweier Freunde in Rom und der Tartarei über das moderne Kunstleben und Treiben, oder die Rumfordische Suppe, gekocht und geschrieben von Joseph Anton Koch in Rom, Karlsruhe 1834 (Neuausgabe von Hilmar Frank, Leipzig/Weimar 1984). Dies ging auf Rehbergs Spitznamen Nasuriccio (etwa Lang- oder Krausnase) zurück, den dieser bereits kurz nach seiner Ankunft in Rom von Goethe und Moritz erhalten hatte (vgl. Goethes Werke WA, 1. Abt., 32. Band, S. 451, nach Sedlarz, 254).
[31] Vgl. Schülke, S. 73/74. U.a. schuf Rehberg ein Bildnis der Malerin Marianne Kraus, die als Hofdame der Frau des Grafen Franz von Erbach-Erbach 1791 Rom besuchte (a.a.O., FN 398). Ihre Reiseerinnerungen erwähnen Rehberg einige Male und zeichnen ein interessantes Bild der römischen Kunstszene der Zeit (vgl. Marianne Kraus, „Für mich gemerkt auf meiner Reise nach Italien 1791“. Reisetagebuch der Malerin und Erbacher Hofdame Marianne Kraus, Helmut Brosch (Hrsg.), Bezirksmuseum Buchen, Buchen 1996.
[32] Vgl. Schülke, 89.
[33] Vgl. Steinbrucker, 601/602.
[34] Im Übrigen sei erwähnt, dass Rehberg trotz vertraglichen Verbots der Berliner Akademie auch seinen ehemaligen Arbeitgeber, den alten Fürst Franz, in Kunstfragen beriet und Ankäufe in dessen Kunstsammlung vermittelte. Vgl. F. Siebigk, Rehberg’s Antheil an den Erwerbungen des Herzogs Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau für die Wörlitzer Kunst-Sammlungen, in: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 2, Heft 4, Dessau 1880.
[35] Die Neuauflage der bahnbrechenden Beschreibung von Hamiltons Sammlung antiker Vasen Collection Of Etruscan, Greek And Roman Antiquities From The Cabinet Of The Honble. Wm. Hamilton, die auf dem gesamten Kontinent einen Antikenboom ausgelöst hatte, schickte Rehberg von Italien an die Berliner Porzellanmanufaktur (vgl. Steinbrecher, 602).
[36] In der Königlichen Porzellanmanufaktur entstanden in den Folgejahren einige Arbeiten nach Rehbergs Hamilton-Attitüden. U.a. befand sich ein Frühstücks-Tête-a-Tête mit Darstellungen der Lady Hamilton im Besitz der Königin Luise. Darüber hinaus gestaltete der Modellmeister Johann Carl Friedrich Riese um 1796 mehrere Biskuitfiguren nach den Rehberg-Zeichnungen ihrer Attitüden (beispielsweise Modellnummer 1218: Bacchantin mit Tambourin). Abb. in: Steinbrucker, 602/603.
[37] 1800 erstand er zum Beispiel Serien von Kupferstichen mit Neapolitanern in verschiedenen Kostümen, resp. Vesuvausbrüchen und schickte diese seinem Auftraggeber in die preußische Hauptstadt (vgl. Steinbrecher, 603).
[38] Vgl. https://sammlungenonline.t.at/objects/18532/bildnis-der-grafin-balk-als-aurora-wie-sie-in-die-lufte-sch?ctx=d0367131da4ee3ff11a8becb70af2909b1a80c46&idx=8, abgerufen am 10. April 2026.
[39] Vgl. https://sammlungenonline.albertina.at/objects/18714/amor-und-psyche, abgerufen am 10. April 2026.
[40] Abb. der Zeichnung, die sich in der Städtische Galerie Dresden befindet (SGD – Kunstsammlung, 1978/k 181) unter: https://sammlungsdatenbank-museen-dresden.de/de/entitySearch?artId=18171, abgerufen am 11. April 2026.
[41] Abb. unter: https://sammlungenonline.albertina.at/objects/18715/panorama-von-innsbruck-vom-stadtturm-aus-aufgenommen, abgerufen am 9. April 2026.
[42] Abb. in: Heinrich Hammer, Josef Schöpf. 1745–1822, Innsbruck 1908, 298.
[43] Eine dem Kunstverein in München gewidmete Lithografie der Grotte Neptun zu Tivoli fertigte Rehberg wohl zu dieser Zeit nach einer eigenen Zeichnung von 1809.
[44] Eine umfangreiche Aufstellung der Stiche, Radierungen und Lithografien des Künstlers ist hier verzeichnet: Andreas Andresen, Die deutschen Maler-Radierer des neunzehnten Jahrhunderts, Leipzig 1866, 70–88.
[45] Der zweite Band enthält auch einige Künstlerporträts von Rehbergs Hand, beispielsweise von Albrecht Dürer oder Leonardo da Vinci.
[46] Ausst.Kat. Akademie der Künste Berlin, Verzeichniß derjenigen Kunstwerke, welche von der Königlichen Akademie der Künste in den Sälen des Akademie-Gebäudes auf der Neustadt […] öffentlich ausgestellt sind, Berlin 1810, Nr. 250, S. 38.
[47] Winfried Baer, Vedutenmalerei der KPM seit 1786, in: Ausst.Kat. Carl Daniel Freydanck 1811–1887, Berlin 1987 25.
[48] a.a.O., S. 39: 287. Eine Landschaft nach Lütke, 14 1/2 Zoll hoch, 15 ½ Zoll breit, von Herrn Fregevize gemalt. 288. Von demselben: Eine Gegend am Genfer See, 15 Zoll hoch, 18 ½ Zoll breit. 289. Von dems. Eine Ideal-Landschaft in Sepia, Schillers Monument, nach Haldenwang, 11 1/2 Zoll hoch, 15 Zoll breit. 290. Von dems. Madonna della Sedia in Bistre, 8 1/4 Zoll im Durchmesser. 291. Von dems. Madonna nach Raphael, in der Engel-Glorie schwebend. 292—93. Von dems. Zwei Genien, nach Raphael. 294 — 95- Von dems. noch zwei Landschaften.
[49] Vgl. Wolfgang Scheffler, Berliner Goldschmiede, Berlin 1968, Nr. 1270, S. 253/254 (Jean-François Frégevize) und 1450a, S. 315 (Frédérich Frégevize).
[50] Im Genfer Musée de l’Horlogerie et de l’Emaillerie hat sich aus dieser Zeit ein signiertes Miniaturselbstbildnis des Künstlers auf Elfenbein (datiert 1805) erhalten (vgl. Ausst.Kat. L’âge d’or du petit portrait, Hrsg. Jacqueline du Pasquier, Bordeaux/Genf/Paris, Paris 1995).
[51] Vgl. Frédéric Frégevize, Berliner Klassik, hrsg. v. der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, 2003-2013, auf: https://berlinerklassik.bbaw.de/personen/807., abgerufen am 25. März 2026.
[52] Vgl. die mit Professor Frégevize unterzeichnete Einladungsannonce des Künstlers, meine Landschaften, Schweizergegenden, die ich nach der Natur gemalt habe, in meiner Wohnung [Lindenstaße Nr. 61] in Augenschein zu nehmen. in: Berlinische Nachrichten – Von Staats- und gelehrten Sachen, No. 133, Ausgabe vom 6. November 1819, 7.
[53] Vgl. Gustav Parthey, Deutscher Bildersaal I, A–K, Berlin 1863, 459.
[54] Vgl. Max Jordan, Katalog der königlichen Nationalgalerie zu Berlin, Berlin 1883, Nr 75. Rhonetal bei Genf (Wagener’sche Sammlung No. 50) und Nr. 76 Genfer See (Wagener’sche Sammlung No. 51), S. 31/32.
[55] Ausst.Kat. Akademie der Künste, Verzeichniß derjenigen Kunstwerke, welche von der Königlichen Akademie der Künste in den Sälen des Akademie-Gebäudes auf der Neustadt … öffentlich ausgestellt sind, Berlin 1812, Nr. 417, S. 46.
[56] Abb. in Aukt.Kat. Lempertz, Berlin 30. April 2016, Los 123.
[57] Ausst-Kat. Akademie der Künste, Verzeichniß derjenigen Kunstwerke, welche von der Königlichen Akademie der Künste in den Sälen des Akademie-Gebäudes auf der Neustadt … öffentlich ausgestellt sind, Berlin 1830, Nr. 148, S. 14.
[58] Abb. in: Samuel Wittwer, Die Berliner Porzellan-Manufaktur KPM zu Beginn des 19. Jahrhunderts und ihre Werke im europäischen Kontext, in: Samuel Wittwer (Hg), Raffinesse & Eleganz, München 2007, 66, resp. Lempertz Berlin, Auktionskat. The Twinight Collection I – Royal Porcelain from Berlin, Vienna and Sèvres, Berlin, 7. November 2018, Auktion 1125, Los 32, Abb. S. 71.









