Beschreibung
Drei äußerst seltene, unikate Porzellanbilder mit Ansichten vom
Fest „Der Zauber der weißen Rose“ 1829 in Potsdam
a) Preisverleihung im Grottensaal des Neuen Palais
b) Ansicht der Commun-Gebäude in Potsdam am 13ten July 1829.
c) Ansicht des neuen Palais in Potsdam am 13ten July 1829.
(Zeitgenössische Titel)
Entwurf Eduard Gaertner 1829 (b und c),
bzw. wohl Heinrich Stürmer (a)
Ausführung Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin 1832
Geschenke des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III.
an seine jüngste Tochter Luise Prinzessin der Niederlande
jeweils 19 x 25 cm (7 ¼ x 9 ½ Preußische Zoll (ab 1816)) ohne Rahmen,
resp. 25,7 x 32 cm mit vergoldetem Holzrahmen
Porzellan mit polychromer Aufglasurmalerei
Pressmarke jeweils rückseitig 16
Das Fest Der Zauber der weißen Rose
Im Juni 1829 kam die preußische Prinzessin Charlotte als russische Zarin Alexandra Fjodorowna gemeinsam mit ihrem Ehemann Nikolaus I. und ihrem Sohn dem Thronfolger nach Berlin und Potsdam, um an der feierlichen Vermählung ihres Bruders Wilhelm von Preußen mit der sächsisch-weimarischen Prinzessin Augusta teilzunehmen. Die Rückkehr Charlottes in ihre alte Heimat war innerhalb des Königshauses und unter ihren Geschwistern ein freudig erwartetes Ereignis. So oblag es Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz, dem Bruder Königin Luises und Onkel der Königskinder, eine Festivität zu planen, die dies gebührend feiern sollte. Bei den künstlerischen Vorbereitungen wurde er unterstützt von Karl Friedrich Schinkel (Kostüme und Bühnenbild), Carl Blum, Georg Abraham Schneider (beide Musikkompositionen) und Friedrich de la Motte Fouqué (historische Beratung).
An Charlottes 31. Geburtstag, dem 13. Juli 1829, kam es zwischen 6 Uhr abends und 6 Uhr morgens zu einer dreiteiligen Feier vor und im Neuen Palais zu Potsdam, die in die Geschichte Preußens als Der Zauber der weißen Rose einging.[1] Die Bezeichnung der Festlichkeiten und die Ausschmückung derselben mit zahllosen weißen Rosen ging auf den Kosenamen Blanchefleur der heranwachsenden Prinzessin zurück. Diesen hatte sie ob ihrer Begeisterung für die gleichnamige Hauptfigur des 1812 von Friedrich de la Motte Fouqué verfassten Ritterromans Der Zauberring erhalten. Überhaupt war die Faszination für das Mittelalter beim König und seinen Kindern sehr ausgeprägt, so daß das Thema für das Fest schnell gefunden war.
Zunächst sorgten öffentliche Ritterspiele für das Plaisir des teilnehmenden Hochadels und des zu Tausenden auf den Mopke, den Platz vor dem Neuen Palais, nach Potsdam strömenden Publikums. Am Turnier in Form eines sogenannten Carrousels nahmen zehn Reiterquadrillen teil, die verschiedene Länder und Herrscherhäuser repräsentierten und verschiedene Aufgaben mit Lanze, Wurfspeer und Schwert bewältigen mußten.[2] Im Anschluß zogen sich die herrschaftlichen Teilnehmer in das Theater des Palais‘ zurück, wo in der zweiten Abtheilung des Festes allegorisch lebende Bilder neuen Stils (tableaux mouvants) mit bewegten und sprechenden Figuren unter dem Titel Das bewegliche Bild im Zauberspiegel nach Zeichnungen von Schinkel und mit der eigens komponierten Musik des Königlichen Kapellmeisters Schneider von den besten Mitgliedern der königlichen Bühnen dargestellt wurden. Nach Beendigung der Vorführungen wurde die Gesellschaft in den Grottensaal geleitet, wo ein prachtvoller Ball mit Essen, Trinken, Tanz und der feierlichen Preisverleihung durch das Geburtstagskind Zarin Alexandra / Charlotte den Abschluß dieses unvergesslichen Tages bildete.
Die Teilnehmerin des Festes Caroline von Rochow, ihres Zeichens Hofdame und Ehefrau des späteren Innenministers, faßte die Rückkehr Charlottes nach Berlin und Potsdam und den Tag des Festes wie folgt zusammen: Die Ankunft der ältesten Tochter der verklärten Königin Luise, aus jenen entfernten, etwas fabelhaften Landen, erregte die allergrößte Sensation; sie fand ohne die geringsten Vorkehrungen von Empfangsfeierlichkeiten statt, aber das hohe Paar ward von den Ausbrüchen des höchsten Jubels und der regsten Teilnahme auf jedem seiner Schritte begleitet. (…) So wurde auch diese Zeit mit dem schönsten, großartigsten Fest beschlossen, was vielleicht die neuere Zeit aufzuweisen hat: jenem bekannten Turnier und „Fest der weißen Rose“ zu Ehren der Kaiserin, in dem sich alles vereinigte, was Einbildungskraft, Poesie, Kunst und Pracht erfinden konnten, um Ritterspiel, Theater, Tableau, Musik, Deklamation, Quadrillen usw. in und am Neuen Palais bei Potsdam zu vereinen. Alles was Berlin, Potsdam und Umgegend nur irgend Präsentables aus allen Kreisen darbot, wurde dazu geladen. Es war zum Sterben fatigant, denn es dauerte fast zwölf Stunden, aber doch vielleicht einzig in seiner Art.[3]
Die Vorlagen
Die Vorlagen der drei Platten entstammen dem 1830 nur einige Monate nach dem Fest im Verlag der Gebrüder Gropius herausgegebenen Prachtband Beschreibung des Festes Der Zauber der weissen Rose, gegeben in Potsdam am 13 July 1829 zum Geburtstage Ihrer Majestät der Kaiserin von Rußland. Dieser beginnt mit einer längeren Beschreibung des ersten Teils des Festes, dem Carrousel, das von zwei Lithografien Eduard Gaertners illustriert wird: Die erste Ansicht zeigt den Einzug der Ritter durch das Mitteltor der Communs auf den Platz vor dem Neuen Palais, der im Volksmund Mopke bezeichnet wurde; die zweite den Beginn der Reiterfestspiele vor dem von Karl von Gontard für Friedrich II. 1769 vollendeten Palais. Nach den von Heinrich Stürmer gezeichneten und von Theodor Hosemann lithografierten Detaildarstellungen der gerüsteten Reiter der jeweiligen Quadrillen, liefert das Album die ausführliche Nacherzählung der Zweiten Abtheilung in Wort und Bild mit neun Darstellungen der lebenden Bilder nach Angabe des H.G.R. Schinkel gezeichnet u. lithographiert von Julius Schoppe. Es folgt eine kurze Zusammenfassung des Abschlussballs mit der leicht kolorierten Illustration der Preisverleihung durch Kaiserin Alexandra Fjodorowna im Grottensaal.
Die beiden Ansichten nach Eduard Gaertner
Die beiden Porzellanbilder mit den Ansichten der Ritterspiele aus dem Zauber der weißen Rose sind aus mehreren Gründen in ihrer Art einzigartig. Zum einen halten sie den Beginn des bedeutendsten Festes des preußischen Königshauses, den Moment des Einzugs und die Vorbereitungen auf die Reiterwettkämpfe, für die Nachwelt in brillanter Qualität und Farbigkeit fest.
Der Maler geht hier auf zwei Lithografien Eduard Gaertners zurück, der die Gebäude, den Ritterzug und die Zuschauer bereits in seiner unnachahmlichen Manier im Augenblick der Festivitäten darstellte.[4] Dies geschah jedoch – der Technik der Reproduktion geschuldet – farblos, resp. in Schwarzweiß. Es oblag nun dem meisterlichen Porzellanmaler, das bunte Treiben stimmungsvoll und doch beispielsweise in der Darstellung der Fahnen und Ritterrüstungen korrekt wiederzugeben. So ist beim Bild des Einzugs der Reitergruppen durch das Mitteltor klar erkennbar, daß die 1. Quadrille (Preußen) dem an der Spitze reitenden Wappenkönig – Kronprinz Friedrich Wilhelm – und seinen beiden Herolden und dem dahinterkommenden Trompetenkorps folgt. Die gleiche Genauigkeit bezeugt das Gemälde des eigentlichen Turniers vor dem Neuen Palais, auf dem der aufmerksame Betrachter die Zarin und ihre königlichen Schwestern in der Mitte der Galerie unter dem Pavillondach erkennen kann, die das Spektakel überwachen.
Darüber hinaus ist die Verwendung von Vorlagen Eduard Gaertners, des größten Berliner Vedutenmalers seiner Zeit, für die Ausführung auf Porzellan generell äußerst selten. Man sollte meinen, dass die Maler der Berliner Manufaktur Werke von Gaertner wegen ihres künstlerischen Wertes und der genauen Darstellung der Berliner bzw. Potsdamer Architektur ausgiebig kopiert hätten, aber das Gegenteil ist der Fall: Der langjährige Kustos der Porzellansammlung des Landes Berlin im Schloß Charlottenburg und ausgewiesene KPM-Kenner Winfried Baer bemerkte 1987: Gaertners späterer, indirekter Einfluß auf die Vedutenmalerei der KPM fällt mit Ausnahme seiner radierten Serie „Erinnerung an Berlin“ (dreißig kleinformatigen Berlinansichten, die nach 1832 bei Gropius erschienen) überraschend maßvoll aus. In den dreißiger Jahren finden wir lediglich die beiden Ansichten vom „Fest der Weiße Rose“ mit dem Neuen Palais bzw. den Communs (1829), ferner die beiden Berliner Schloßansichten vom Schlüter-Hof (1830) und dem Eosander-Hof (1831), sowie seine „Neue Wache mit dem Scharnhorstdenkmal (1833) auf KPM-Porzellanen wieder, die allerdings mittelbar über Stiche und Aquarelle übertragen worden waren.[5] In Fußnoten gibt Baer für diese Gaertner-Veduten ausgeführte Beispiele in Porzellan an: Ansichten der beiden Schloß-Höfe finden sich auf einer Amphorenvase in „natürlichen Farben“ im Berlin-Museum, die der Neuen Wache auf einer 1982 auf der Berliner Orangerie angebotenen Kratervase „mit gekrümmten Henkeln“. Zu den Potsdamer Festdarstellungen schrieb er: Hiervon gab es 1973 im Londoner Kunsthandel zwei Postkartengroße KPM-Porzellanplattenbilder (um 1829), die sich heute in Privatbesitz befinden.[6]
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es sich bei diesen beiden Porzellanmalereien nach Gaertner sowohl um äußerst seltene und daher historisch bedeutsame als auch künstlerisch herausragende Beispiele für die Meisterschaft der Porzellanmaler an der Königlichen Manufaktur in Berlin um 1830 handelt.
Das Bild der Preisverleihung im Grottensaal des Neuen Palais
Auch die Bildplatte mit der Übergabezeremonie im Grottensaal ist ein Beispiel der großen Fertigkeit der Berliner Porzellanmaler um 1830. Dargestellt ist der Moment, in dem Zarin Alexandra Fjodorowna die Sieger des Carrousels auszeichnet: Graf Friedrich von Arnim, der zweite Ritter der 7. Quadrille (Hohenzollern), erhält aus den Händen der Kaiserin eine goldene Kette, während Ulrich von Barner und Friedrich August Karl von Brandenstein (erster und dritter Ritter der 8. Quadrille (Mecklenburg)) niederknien und darauf warten, ihre Auszeichnungen in Empfang nehmen zu dürfen.[7]
Die besondere Stimmung des gesellschaftlichen Höhepunkts des Festtages wird dem Beschauer durch die Widergabe der außergewöhnlichen Lichtverhältnisse und der feierlichen Anordnung der Ritter und ihrer Damen im Saal beeindruckend vermittelt. In der Beschreibung des Festes Der Zauber der weissen Rose ist hierzu vermerkt: Nach aufgehobener Tafel erfolgte die Vertheilung der Preise. Sie bestanden in goldenen Ketten, silbernen Pokalen, und reichverzierten türkischen Säbeln. Die Kaiserin ließ diese Preise durch ihre Damen tragen, während sie selbst, geführt von den beiden Richtern, unter Vortretung der Fackeln tragenden Pagen und aller Herolde, in den Saal trat, in welchem die Ritter einen Kreis gebildet hatten. Der Wappenkönig rief zum Danke, und die Aufgerufenen knieeten vor der Kaiserin nieder, aus ihren Händen den Preis zu empfangen.[8]
Auch hier hält sich der handwerklich auf Feinste geschulte KPM-Künstler an die 1830 veröffentlichte Lithografie der Szene. Wieder beachtet er präzise die heraldischen Notwendigkeiten in der Farbgestaltung von Kleidern, Harnischen, Jacken und Hosen, und wieder gelingt es ihm, den besonderen Augenblick einzufangen und für nachfolgende Generationen erlebbar zu machen.
Ungeklärt bleibt zunächst, wer die grafische Vorlage dieses Bildes lieferte, da der für die Kostüme und Lebenden Bilder verantwortliche Herr Geheimer Rat Schinkel, den man als Zeichner erwartet hätte, beim Ball und der Preisverleihung nicht mehr persönlich anwesend war. Der König hatte sich mit dem Universalgenie verstritten und dessen Entwürfe, die dem Regenten wohl als zu nackt und zu dunkel erschienen, umändern lassen.[9] Als Urheber wird folglich der Chronist der Ritterdarstellungen Heinrich Stürmer vermutet, der als Mitglied der Berliner Akademie bereits 1818 den Festzug zur Hochzeit des Prinzen Friedrich von Preußen und der Prinzessin Wilhelmine Luise von Anhalt-Bernburg in Zeichnungen festgehalten hatte.
Die königliche Bestellung
Alle drei Porzellanbilder sind im Conto-Buch (Pret 2) von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen als Geschenke an seine jüngste Tochter Luise Prinzessin Friedrich der Niederlande verzeichnet:[10]
Eintrag vom 14. Januar 1832:
„1 Platte 7 1/4 [Zoll] und 9 1/2 [Zoll] mit coul: Figuren Sujet aus dem Fest, der Zauber der weißen Rose, wie Ihre Majestät die Kayserin die Orden austheilt [117 Taler] dazu ein vergoldeter Holzrahmen [7 Taler]“
Eintrag vom 20. Juni 1832:
„3 Platten 7 1/4 [Zoll] u 9 1/2 [Zoll] mit coul: Sujets aus dem Fest der Zauber der weißen Rose als;
1 mit den Comence beim neuen Palais
1 “ “ neuen Palais
1 “ Figuren einen weißen Rosenbaum begrüßend im Hintergrunde Berlin
[348 Taler]
Hinzu 3 vergoldete Holzrahmen [12 Taler]
Kiste No. 12 in Linnen [3 Taler 15 Gr.]“
Aus dem Verzeichniße von Geschenken seitens S. M. des Königs Friedrich Wilhelm III von Preußen an Mitglieder der königlichen Familie (…) 1811–1840 geht außerdem hervor, daß die Platte mit der Preisverleihung im Grottensaal ein väterliches Geburtstagsgeschenk zu Luises 24. Geburtstag am 1. Februar 1832 war, zusätzlich zu einer Porzellanvase mit der Ansicht des Königs zu Pferde nach einem Bild von Franz Krüger (S. 35).[11] Im Juli erhielt die Prinzessin dann die drei anderen Ansichten, zusammen mit verschiedenen Ansichten des Berliner Schloßes in Öl, gemalt von Eduard Gaertner (S. 92 revers). Das dritte erwähnte Porzellanbild mit der Ansicht von Figuren einen weißen Rosenbaum begrüßend im Hintergrunde Berlin hatte das von Schinkel erdachte Lebendige Bild mit dem Titel Die Pflege der weißen Rose zum direkten Vorbild (Nummer 2 der Bilder zur 2. Abtheilung des Festes). Während dessen Aufführung im bewegten Bild im Zauberspiegel erklang ein Chor mit folgendem Refrain: Blühe! Blühe Blancheflour! Sei die Zierde der Natur! Blühe! Blühe Blancheflour, Blühe schön auf uns’rer Flur![12]
Der Verbleib dieser vierten Platte ist unbekannt.
Die Beschenkte
Luise Auguste Wilhelmine Amalie von Preußen (geb. am 1. Februar 1808 in Königsberg – gest. am 6. Dezember 1870 im Haus de Pauw in Wassenaar) war eine Prinzessin von Preußen aus dem Haus der Hohenzollern und durch Heirat Prinzessin der Niederlande. Als jüngste Tochter König Friedrich Wilhelms III. und der Königin Luise von Preußen heiratete sie 1825 gerade 17jährig ihren Cousin Wilhelm Friedrich Karl von Oranien-Nassau, den seit 1816 amtierenden Friedrich Prinz der Niederlande. Dieser war der zweite Sohn König Wilhelms I. und der Prinzessin Wilhelmine von Preußen, Friedrich Wilhelms III. jüngerer Schwester.
Luise selbst fungierte beim Fest Der Zauber der Weißen Rose als Dame der von ihrem Bruder Karl von Preußen angeführten 4. Quadrille, die Schlesien vertrat, ihr Mann Friedrich führte 1829 die 2. Quadrille mit dem königlichen Wappen der Niederlande an und war zusätzlich als Wettkampfrichter der ritterlichen Waffenspiele vor dem neuen Palais eingesetzt. So bestand also eine direkte Beziehung zwischen dem beschenkten Paar und dem Fest zu Ehren Luises ältester Schwester.
Zusätzlich zu den insgesamt vier Porzellanbildern erhielt die Prinzessin der Niederlande von ihrem Vater noch einen Satz von zwölf KPM-Tellern mit Darstellungen der zehn Quadrillen des Carrousels (wohl je im Spiegel mit zwei Rittern plus je eine Ansicht der Wappenkönige und Herolde, resp. des Trompetenkorps, die Fahne bei allen Tellern mit den Wappen der teilnehmenden Reiter und einer Girlande mit zehn weißen Rosen geschmückt). Eine weitere Folge schenkte der König seiner Tochter Prinzessin Alexandrine von Preußen, die seit ihrer Heirat 1822 Erbgroßherzogin von Mecklenburg-Schwerin war und beim Fest die Dame der 7. Quadrille Hohenzollern dargestellt hatte.
König Friedrich Wilhelm III. von Preußen beschenkte seine jüngste Tochter Luise regelmäßig mit wertvollen Erzeugnissen der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin
Und zeigte so seine besondere Beziehung zu ihr als Namensträgerin seiner verstorbenen Frau, Königin Luise. Anlässlich ihrer Hochzeit mit Prinz Friedrich der Niederlande, dem zweiten Sohn von König Wilhelm I. im Jahr 1825 erhielt das Paar ein umfangreiches Bankettservice, gefolgt von zahlreichen Vasen, Tellern, Plaketten und Plateaus als Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke bis zum Tod des Königs im Jahr 1840. So entstand eine umfangreiche Sammlung, die Prinzessin Luise bis zu ihrem Tod im Jahr 1870 behielt. Der größte Teil ihres Porzellans wurde dann von ihrer Tochter Prinzessin Marie der Niederlande aufbewahrt, die durch Heirat eine Prinzessin zu Wied wurde. Aus ihrem Nachlass wurde die Sammlung zum Teil unter ihren fünf Kindern aufgeteilt, blieb aber mit einigen wenigen Verkäufen nach 1960 bis heute im Besitz der Familie Wied.
Conclusio:
Das opulente Fest Der Zauber der Weißen Rose zu Ehren des Besuchs von Zarin Alexandra Fjodorowna (geborene Prinzessin Charlotte von Preußen) und ihres 31. Geburtstags am 13. Juli 1829 in Potsdam muss als das wichtigste Fest gelten, das jemals am preußischen Hof stattfand. Es führte die königlich-preußische Familie wieder zusammen und festigte die dynastischen Beziehungen zu Herrscherhäusern in ganz Europa. Nur die besten preußischen Künstler und Kunsthandwerker ihrer Zeit wurden beauftragt, spektakuläre Kunstwerke zu schaffen, um die Feierlichkeiten für künftige Generationen in Erinnerung zu halten.[13]
Unsere drei Gemälde auf KPM-Porzellan sind Unikate, es sind keine weiteren Versionen solcher Tafelbilder mit Ansichten der Festlichkeiten bekannt.[14] Sie verbinden historische Bedeutung mit künstlerischer Finesse. Die Darstellungen dreier wichtiger Stationen des Zaubers der Weißen Rose vor dem Hintergrund bester Beispiele preußischer Architektur und Innenausstattung ermöglichen es nachfolgenden Generationen, das höfische Leben des 19. Jahrhunderts durch Kunst und Handwerk zu erkunden.
Die beiden Gemälde nach Werken des berühmtesten Berliner Vedutenmalers seiner Zeit, Eduard Gaertner, sind äußerst selten und veranschaulichen wie auch das dritte Bild aus dem Grottensaal die Meisterschaft der Porzellanmaler an der Königlichen Porzellan-Manufaktur KPM Berlin um 1830.
Darüber hinaus sind die drei Plaketten einzigartige künstlerische Zeugnisse der engen Verbindung zwischen König Friedrich Wilhelm III. von Preußen und seiner jüngsten Tochter Luise, die 1825 Prinzessin der Niederlande geworden war.
[1] Ausführliche Beschreibung in: Gerd-H. Zuchold, Der Zauber der weißen Rose – Das letzte bedeutende Fest am preußischen Hofe, Tradition und Bedeutung, Berlin 2002.
[2] Dies waren: 1. Preußen, 2. Niederlande, 3. Kurbrandenburg, 4. Schlesien, 5. Brandenburg, 6. Wenden, 7. Hohenzollern, 8. Mecklenburg, 9. Nürnberg, 10. Braunschweig (beschrieben und illustriert in: Zuchold, 28–53).
[3] Vom Leben am preußischen Hofe 1815–1852. Aufzeichnungen von Caroline v. Rochow geb. v. d. Marwitz und Marie de la Motte Fouqué, bearbeitet von Luise v. d. Marwitz, Berlin 1908, 207f., zitiert nach: Zuchold, 11.
[4] Drei kleine Skizzen zu diesen Gaertner-Ansichten haben sich im Stadtmuseum Berlin erhalten, vgl. Irmgard Wirth, Eduard Gaertner. Der Berliner Architekturmaler, Frankfurt/Berlin/Wien 1979, 176, 178, 179.
[5] Winfried Baer, Vedutenmalerei der KPM seit 1786, in: Ausst.Kat. Carl Daniel Freydanck (1811–1887) – Ein Veduten-Maler der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin, Berlin 1987, 36.
[6] Ebenda, Fußnoten 102–104, S. 40. Diese kleineren und qualitativ minderen Platten sind nicht identisch mit den hier vorgestellten Königsgeschenken.
[7] In der Beschreibung des Festes Der Zauber der weissen Rose ist unter der Ballbeschreibung nachzulesen: Den ersten Dank verlieh die Kaiserin dem Grafen Friedrich von Arnim, dem Oberst von Barmer und dem Major von Brandenstein. Nachdem sie noch mehrere Preise vertheilt hatte, reichte sie dem Baron von Knorr, welcher die Reitübung des Carrousels geleitet hatte, den Dank eines schönen Pokals, und endlich allen Herren und Damen, die an dem Carrousel und den Quadrillen Theil genommen hatten, eine silberne Rose mit einer weißen Schleife, als ein bleibendes Andenken an den 13ten Juli 1829., welcher Tag auf der Rose vermerkt war. Zitiert nach: Zuchold, 85.
[8] Zitiert nach: Zuchold, 85.
[9] So berichtet es Bettina von Arnim in einem Brief an ihren Mann Achim von Arnim wenige Tage nach dem Fest (Werner Vortriede, Achim und Bettina in ihren Briefen. Briefwechsel Achim von Arnim und Bettina Brentano, Frankfurt am Main 1961, Band 2, 819f., nach: Zuchold, 11).
[10] Ein herzlicher Dank geht an Eva Wollschläger, Leiterin des KPM-Archivs (Land Berlin), Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg!
[11] Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, BPH (Brandenburg-Preußisches Hausarchiv), Rep 49 G, Nr. 33.
[12] Zitiert nach Faksimile in: Zuchold, 58.
[13] Neben der Luxusausgabe der Gebrüder Gropius mit den Beschreibungen der Feierlichkeiten im Jahr 1830 wurden einige der Lithografien einzeln angeboten. Vor allem aber bestellte der Preußenkönig bei dem einzigen von ihm benannten Goldschmied Seiner Majestät Johann Georg Hossauer drei imposante neugotische Silberpokale mit Emailledekor (jeweils 69 cm hoch), die nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel gefertigt wurden. Hossauer fertigte auch zahlreiche silberne Rosen als Medaillen für die Teilnehmer des Turniers und 1842 und 1852 zwei silberne Gedenkobjekte (Kronleuchter und Blumentopf mit Rose) für Alexandra Fjodorowna, die von ihrem Bruder, König Friedrich Wilhelm IV. Zum 25-jährigen Jubiläum des Festes 1854 schuf der deutsche Künstler Adolph Menzel als Geschenk für die Zarin eine Sammlung von neu interpretierten Ansichten des Festes.
[14] Eine etruskische Vase der KPM Berlin mit einer Panoramaansicht des Ritterzuges aus Der Zauber der Weißen Rose um den Korpus und vier szenischen Ansichten auf dem Sockel gehörte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs zur Ausstattung des Tamerlan-Zimmers im Neuen Palais in Potsdam. Sie gilt als Kriegsverlust.
Die Kenntnis dieser Vase verdanke ich Herrn Dr. Burkhardt Göres, dem an dieser Stelle ebenso herzlich gedankt sei wie seiner Ehefrau Dr. Wasilissa Pachomowa-Göres, für den regen Austausch zum Thema Weiße Rose.
















