Bruno Paul, nach, Menorah (Siebenflammiger Drehleuchter), nach 1907

Beschreibung

Bruno Paul, nach, Menorah (Siebenflammiger Drehleuchter), nach 1907

Entwurf nach einem 13flammigen Modell von Bruno Paul (1874–1968), 1901
Ausführung wohl K. M. Seifert & Co., Dresden-Löbtau nach 1907

Messing, gegossen und gedrückt, der Fuß und Schaft verschraubt; jeweils ein Arm mit Tüllenpaar drehbar; ungemarkt (typisch für Objekte von K. M. Seifert & Co.); HxBxT: 26 x 16 x 19,5 cm (Durchmesser Fuß)

Die hier gezeigte Menorah wurde spätestens ab 1907 wohl von der Dresdener Lampen- und Leuchtenfabrik K. M. Seifert & Co. produziert. Das Modell ging zurück auf den 1901 von Bruno Paul entworfenen, heute als klassische Ikone des Deutschen Jugendstils geltenden 13flammigen Kerzenleuchter, der für die Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk München ebenfalls bei Seifert ausgeführt worden war.[1]

Beiden Leuchtern gemein ist neben der kompletten Drehbarkeit der Leuchterarme, die eine Vielzahl von Aufstellungsmöglichkeiten bietet, die feine Rillenornamentik an Schaft und Kerzentüllen, die eine frühe Abkehr vom floralen Jugendstil hin zu einem streng linearen Funktionalismus anklingen läßt.
Die Umwandlung in eine siebenflammige Menorah verweist auf das gesteigerte Interesse des deutsch-jüdischen Bürgertums an gutem zeitgenössischen Kunsthandwerk und Design in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

Die 1895 als Dresdner Kunstwerkstätten Karl Max Seifert in Dresden-Löbtau gegründete K. M. Seifert & Co. gilt als eine der bedeutendsten Fabriken zur Herstellung von Leuchtern und Lampen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.[2] Hier und in der Schwesterfirma K. A. Seifert in Mügeln bei Dresden (beide Teil der Sächsischen Bronzewarenfabrik AG) ließen folgende Künstler und Gestalter ihre Entwürfe ausführen: Peter Behrens, Bernhard Pankok, Richard Riemerschmid, Joseph Maria Olbrich, August Endell, Patriz Huber, Paul Haustein, Johann V. Cisserz, die Geschwister Kleinhempel, Richard Müller u.a.


[1] Abb. in: Alfred Ziffer, Bruno Paul. Deutsche Raumkunst und Architektur zwischen Jugendstil und Moderne, München 1992, S. 87, Nr. 176.

[2] Metallkunst Bestandskatalog des Bröhan-Museums, Berlin 1990, 446, siehe auch: Dedo von Kerssenbrock-Krosigk, Metallkunst der Moderne. Bestandskatalog des Bröhan-Museums, Berlin 2001, 446.