Anton Puchegger, Bronzefigur „Panther“, um 1911

Beschreibung

Anton Puchegger (1878–1917)
Bronzefigur „Panther“, um 1911

Ausführung wohl Orivit-Metallwarenfabrik Köln

Figur: 16,5 x 8,2 x 7,8 cm (LxBxH)
Sockel: 18,2 x 10 x 1,9 cm (LxBxH)

Einzelne Bronzen des zwischen 1905 und 1917 in Berlin arbeitenden österreichischen Tierbildhauers Anton Puchegger sind sehr selten. Die hier vorgestellte Arbeit ist formidentisch mit der Hauptfigur des Tintenfasses mit Ablage der „Schreibtischgarnitur mit Panther“, die um 1911 in der Orivit-Metallwarenfabrik in Köln erstmals erschien.[1] Die Verwendung als Einzelfigur, wohl ebenfalls bei Orivit entstanden, spricht für die besonders wertvolle künstlerische Gestaltung des Tieres durch Puchegger.
Der Künstler hatte sich in der Zeit vor 1910 intensiv mit dem Topos „Leopard“ auseinandergesetzt. Geschul am lebendigen Vorbild im Berliner Zoo war so die Porzellanplastik der „Leopardengruppe“ entstanden, die im Mai 1909 in zwei Versionen in das Modellbuch der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin eingetragen worden war: unter der Modellnummer 9186 als „ganz glatt, unter der 9186a als „gemustert“. Diese Unterscheidung spiegelt die Teilung der Tierart in Panther (einfarbig schwarz) und Leopard (schwarze Rosetten auf braunem Fell) wider. Im Fall der hier gezeigten Bronze wird ein einfarbiger Panther dargestellt, dessen Gesicht und Körper die jene für den bereits 1917 im Alter von 39 Jahren viel zu früh verstorbenen Puchegger typische Stilisierung aufweist. Mit seinen kantig-flächigen Gestaltungen – denen ein langes persönliches Studium des Aussehens und Verhaltens des echten Tieres vorausging – nahm Puchegger bereits in den 1900er und 1910er Jahren ein wichtiges Merkmal des sich in späteren Jahren entwickelnden Art Déco vorweg.

KURZBIOGRAFIE:
1878 im niederösterreichischen Payerbach geboren absolvierte Anton Puchegger ab 1892 zunächst eine vierjährige Ausbildung an der Holzschnitzerfachschule in Bozen. Im Anschluß studierte er mit der finanziellen Unterstützung einer Adligen an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Im Zuge dieses Studiums hielt er sich als Stipendiat um 1900 auch eine zeitlang in Paris auf. In den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts leitete Puchegger im Auftrag des Freiherrn von Tinti zwei Jahre lang verschiedene Ausgrabungs- und Restaurierungsarbeiten auf Schloss Schallaburg. 1904 schlug er eine Berufung an die Kunstgewerbeschule in Znaim aus und siedelte stattdessen im Jahr darauf nach Berlin über. Hier wirkte er bis zu seinem Tod 1917 in Davos als freischaffender Künstler. Zunächst hielt er noch Kontakt nach Wien und entwarf einige Modelle für die Wiener Kunstkeramischen Werkstätten und das Emailfarbenwerk Schauer; auch die Bronzefigur eines 1908 in der Kunsterzgießerei Th. Th. Srpek gegossenen „Amerikanischen Bisons“ ist für diese Anfangszeit in Berlin gesichert. Der Durchbruch als Tierbildhauer geling Puchegger ab 1909 mit dem Verkauf von insgesamt elf Modellen an die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (nach seinem Tod übernimmt die KPM noch fünf weitere aus seinem Nachlass). Den Figuren gehen detailierte Studien im Zoologischen Garten voraus, viele seiner Modelle sind spezifische Tiere, die auch namentlich benannt werden können. Es folgen wenig später mindestens zehn Vogel- und Affenfiguren für die kurz zuvor gegründeten Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst. Neben einigen Alabasterarbeiten für die Berliner Firma Rosenthal und Maeder sind noch zwei Schreibsets in Bronze und Messing bekannt, eines davon um 1911 bei Orivit in Köln editiert. Zwischen 1910 und 1915 präsentiert der Künstler neue Arbeiten auf der Großen Berliner Kunstausstellung, vorwiegend in Holz, nur selten in Bronze. Auch andere Ausstellungen in Deutschland und Österreich beschickt er in diesen Jahren. Eine fortschreitende Lungentuberkulose führt schließlich zum frühen Tod Anton Pucheggers im September 1917. Die „Tierbilder“ betitelte Gedächtnisausstellung, die im Februar 1918 im Künstlerhaus des Vereins Berliner Künstler in dessen Andenken veranstaltet wird, rückt Pucheggers Einzigartigkeit noch einmal in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. So erwirbt die Nationalgalerie aus der Ausstellung zwei weitere Arbeiten (1915 war bereits ein hölzerner Uhu angekauft worden), u.a. ein großartiges Hauptwerk des Künstlers, das aus einem Block geschnitzte Porträt des Kameruner Schimpansenweibchen Missie. Zoodirektor Ludwig Heck und andere Kunstkritiker wie Georg Lenz und Fritz Stahl würdigen Anton Puchegger posthum. Es dauert jedoch bis ins Jahr 2012, ehe eine Ausstellung im Bröhan-Museum in Berlin und eine gleichzeige Wiederaufstellung von Missie in der Nationalgalerie für eine auch museale Neubeachtung des Tierbildhauers und seines Wirkens sorgen.

Vgl. ausführlich in: Anna Grosskopf, Das Tier im Blick – Der Bildhauer Anton Puchegger (1878–1917), in: Ausst.Kat. Bröhan-Museum Berlin, Berlin 2012


[1] Abb. in: Ausst.Kat. Das Tier im Blick – Der Bildhauer Anton Puchegger (1878–1917), Ingeborg Becker und Anna Grosskopf, Bröhan-Museum Berlin, Berlin 2012, Kat. 8, S. 33 und 75. Die auf der Ausstellung gezeigte Messingvorrichtung ist seitlich „A. PUCHEGGER“ signiert, die Figur selbst trägt keine Signatur.