Adolph Flad, Deckelvase Flad-Dekor, KPM Berlin 1922

Beschreibung

Adolph Flad (1881–1937)
Grosse Deckelvase mit Flad-Dekor
für die Staatliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM), 1922

Deckelvase achteckig, auch Potpourri chinesischer Form
mit stilisiertem Blüten-, Blätter- und Schuppendekor
und rot-schwarz-grauem Ornament

Modellbucheintrag 1865; Modellnummer 2235; Taxnummern 5,40 (Vase) und 5,5413 (Deckel); Dekor 148/207 (Flad-Dekor in Lila, Gelb und Grün mit roten Schuppen); Dekorentwurf Adolph Flad 1922; Höhe ca. 52 cm; Marken Zepter in Unterglasurblau; Reichsapfel über KPM in Aufglasurrot; 148/207 und III in Aufglasurschwarz; Pressmarken Jahresbuchstabe T für 1919 und z (Unterteil); III in Aufglasurschwarz (Deckel)

Abb. in: Tim D. Gronert, Porzellan der KPM Berlin, Band 1, 113.


Adolph Flad muss als einer der vielseitigsten und wandelbarsten Dekorentwerfer der KPM in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelten. Zwischen seinem Eintritt in die Manufaktur 1895 bis zu seiner Pensionierung 1932 schuf er die verschiedensten Malereien für die unterschiedlichsten Porzellanobjekte. Zunächst ersann Flad in der Ära des Jugendstils zahlreiche Entwürfe für Emailmalereien des sogenannten Juwelenporzellans. Besondere Meisterschaft erreichte der Entwerfer und ausführende Maler dann wenig später auf einem der traditionsreichsten Felder der Manufaktur als er einen ganz eigenen Stil der Blumenmalerei neu einführen und etablieren konnte. So schrieb der Manufaktur-Biograf Erwin Bublitz im Jubiläumsjahr 1913: Die Blumenmalerei zeigt jetzt ein anderes Gesicht. Von der rein naturalistischen Wiedergabe ist man jetzt ganz abgegangen. Botanisch genaue Zeichnung und ungebrochene Farben sind Trumpf. Die in diesem Sinne gehaltenen Blumenmalereien von Flad verraten Stilgefühl, Unterordnung der Schmuckmotive unter die Grundform und Betonung des dekorativen Charakters in gesunden und kräftigen Farbwirkungen, die die Malerei nicht um ihrer selbst willen wirken lassen wollen, sondern für den Gegenstand geschickt keramisch komponiert sind. Was hier von der Blumenmalerei Flads gesagt ist, das gilt in ähnlichem Sinne von seiner Ornamentmalerei.[1]

Die hier ebenfalls angesprochene Ornamentmalerei beschäftigte Flad Zeit seines Engagements an der Berliner Manufaktur. Neben der Ausschmückung eigener Dekore lieferte der Künstler speziell auch in den 1920er Jahren moderne Muster und zeittypisch-abstrakte, nur noch als ehemals floral oder vegetabil zu erahnende Ränder oder Vignettenornamente für Porzellanmalereien seiner KPM-Künstlerkollegen Max Dürschke, Franz Türcke oder Gertrud Kant.

Tim D. Gronert, Porzellan der KPM Berlin, Band 1, 103.


Bei dem hier gezeigten achteckigen chinesischen Potpourri handelt es sich um die größte von Adolph Flad dekorierte Tischdeckelvase aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Die imposante Vase entstand anläßlich der Deutschen Gewerbeschau, der ersten großen Leistungsschau der Deutschen Kunst nach dem Weltkrieg, die vom 13. Mai bis zum 8. Oktober 1922 im Ausstellungspark auf der Theresienhöhe in München stattfand. Hier wurde das über 60 cm hohe Prunkstück im vom Münchener Architekten Paul Ludwig Troost konzipierten Ausstellungsraum der kurz zuvor in Staatliche Porzellan-Manufaktur Berlin umbenannten KPM erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.[2] Die in Flads typischem expressiv-stilisierten Malereistil dekorierten Vasen gehörten zu den progressivsten KPM-Porzellanen, die die Manufaktur in München vorstellte. Weitere moderne Porzellanplastiken und -dekore stammten von Paul Scheurich, Anton Puchegger, Joseph Wackerle, Adolph Amberg, Theodor Schmuz-Baudiss, Hermann Hubatsch, Edmund Otto, Harry Christlieb, Julius Feldtmann und Gertrud Kant.

Unsere Vase ist ein Prachtbeispiel für die nach dem Künstler benannte Flad-Malerei, die beispiellose neue Art des farbenfrohen Blumen-, Blüten- und Rankendekors an der Berliner Manufaktur im künstlerischen Spannungsfeld zwischen Expressionismus, Kaktusstil und Art Déko. Geometrische Ornamente, klar gegliederte und fantasievoll umrahmte Felder und in sich verspielte, doch streng geordnete Rapporte bilden das dekorative Grundgerüst des Vasenkörpers. Dieser wird von wie zufällig dahin geworfenen floralen Einzelblüten und Blätterarrangements in Purpur, Gelb und Grün bestückt und überzogen, wobei die weiße Porzellanfläche genügend Raum erhält, um den Kontrast, oder besser das Zusammenspiel, von achteckiger Form und geistreich stilisierter Malerei wirken lassen zu können.


[1] Erwin Bublitz, Die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin 1763–1913, Berlin 1913, 28.
[2] Einzelabbildung in: Die Deutschen Gewerbeschau in München – Keramik und Glas, in: Dekorative Kunst 25 (1922), Ausgabe vom 11. August, 258 (siehe Foto).

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