Prunktasse mit Mikromosaikmalerei, KPM Berlin um 1820

Beschreibung

Prunktasse mit Mikromosaikmalerei
Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin um 1820 (1817–22)

BITTE BEACHTEN:
Das Gold an und in der Tasse ist NICHT berieben!!!
Die Detailfotos sind leicht überbelichtet, daher macht es den Anschein als gäbe es fehlende Stellen im Gold.
Dem ist NICHT so!

Modell Zylindrischer Becher mit ausschwingender Öffnung auf Fuß, mit stilisierter halbplastischer Palmette am Ansatz des Ohrenhenkels (Tasse 18)
Modellentwurf wohl KPM-Werkstatt um 1810
Zeitnahe Ausführung (nach Malermarke 1817–22)
Taxnummern 2,4519 (Tasse 18) und 2,5032 (Schale 1)
Höhe 8,6 cm (Tasse) Durchmesser 13,6 cm (Unterschale)
Marken Zepter in Unterglasurblau; Malerzeichen Strich in Aufglasurorange (beides Tasse und Unterschale); Pressmarken 2 und Strich (Unterschale)

KPM-Prunktasse mit antikisierender Darstellung eines Schwans in einem Streitwagen sitzend, der von einem Stieglitzpaar gezogen wird, auf Wolkenformation, in gemalter Imitation eines römischen Mikromosaiks, in achteckiger Kartusche; Dekor mit feiner Goldmalerei, teils mattiert, teils poliert und rautenförmigen Vignetten mit stilisiertem Blütenornament in Imitation des Florentinischen Mosaiks (Pietra Dura).

Der besonders edle Dekor der hier vorgestellten Prunktasse ist aus einem der berühmtesten Service der KPM Berlin des frühen 19. Jahrhunderts bekannt:
Ein Dessertteller aus dem Tafelservice vom Eisernen Helm, das die Manufaktur im Auftrag des späteren Kurfürsten Wilhelm II. von Hessen-Kassel ab 1818 – ungefähr gleichzeitig mit den sogenannten Feldherrenservicen für die erfolgreichen Heerführer der Befreiungskriege – ausführte, trägt dasselbe markante Ornamentikspiel aus weißen Karos auf goldenem Fond und goldenem Blütennetz auf weißem Grund.[1] Im Tellerspiegel erscheint ebenfalls die identische Darstellung des Schwans in einem von Stieglitzen gezogenen Wagen auf Wolken in Römischem Mosaik, die Fahne zeigt dieselben weiß-orangenen Blüten auf grünem Grund in Pietra Dura.

Ein weiterer Teller, ehemals in der Twinight Collection von Richard Baron Cohen in New York, zeigt dieses Vogelmotiv in seiner Zentralvignette im Spiegel. Eva Wollschläger bemerkt hierzu: Thematisch greift das Bildmedaillon des Tellers ein der antiken Symbolik entlehntes Motiv auf. Der in einem Wagen sitzende Schwan, welcher von zwei Singvögeln (Stieglitzen) gezogen wird, verweist auf den Musengott Apoll. Als apollinische Attribute ragen ein Köcher mit Pfeilen sowie eine das Licht symbolisierende Fackel aus dem Wagen, die auf Apoll als Sonnengott hindeutet. In der Antike wurde der Schwan sowie alle sich durch ihren Gesang auszeichnenden Vögel als heilige Tiere Apolls verehrt, die unter dem persönlichen Schutz des Musengottes standen. Die Darstellung kann somit im allegorischen Sinn als Triumph der Musik aufgefasst werden.[2]

Die Vorlage der Darstellung des Vogelensembles ist wie bei fast allen Vogelmosaiken der KPM bislang noch unbekannt, einzig die Mosaiken mit antiken italienischen Veduten können direkten Ansichten der Bauwerke aus zeitgenössischen Publikationen, bzw. Fächerentwürfen zugeordnet werden.[3]

Die künstlerisch und handwerklich außergewöhnlichen Porzellane mit Malereien in Mikromosaik-Technik gehören zu den beliebtesten Erzeugnissen der KPM Berlin aus der Zeit des preußischen Klassizismus. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts standen sie in direktem Bezug zu den zeitgenössischen Mosaikarbeiten, etwa den Schmuckstücken und Reisesouvenirs aus den Werkstätten des Vatikans, die Absolventen der Kavalierstour aus Rom zurück in deutsche Lande brachten. Diese trafen speziell den Geschmack des Königshauses, dessen Mitglieder oftmals eine besondere Vorliebe für Mosaike und weitere Erzeugnisse aus Naturstein hatten, und die sich auch für die meisterhaft umgesetzten Prunktassen und -teller der Berliner Porzellan-Manufaktur begeistern konnten.

Bei dem verwendeten Modell dieser Prunktasse mit ausschwingender Öffnung auf Fuß und stilisierter halbplastischer Palmette am Ansatz des Ohrenhenkels handelt es sich um eine zeitgenössisch neue, selten hergestellte Variante der Glockenform, die bei der KPM besonders im weiteren Verlauf der 1810er/20er Jahren zunehmend mit einem über den Rand ragenden, am Rücken geperlten Rosettenhenkel produziert wurde (wohl erstmals für das oben genannte Tafelservice vom Eisernen Helm) (Vgl. FN 1, S. 52, 78 und insgesamt 112 Tassen).


[1] Vgl. Ausst.Kat. Orden auf königlichem Porzellan – Das Tafelservice vom Eisernen Helm und die Feldherrenporzellane der königlichen Porzellanmanufaktur Berlin, Museum Schloss Fasanerie, 22. Juni–3. November 2013, Petersberg 2013, Nr. 4.385, S. 228.
[2] Eva Wollschläger, Teller mit Darstellung eines Schwans im Wagen von Stieglitzen gezogen in Mikromosaik-Malerei, in: Ausst.Kat. Raffinesse & Eleganz, Samuel Wittwer (Hrsg.), München 2007, Nr. 34, S. 206, Abb. 207.
[3] Vgl. ausführlich Eva Wollschläger, Römische Motive auf Berliner Porzellan. frühklassizistische Fächerblätter aus Italien und ihr Einfluß auf die Porzellankunst der KPM, in: Keramos 196 (2007), 13–34.

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