Beschreibung
Äußerst seltene Durchbruchschale auf Sphingenfuß mit Einsatz (Sphingenkorb)
Entwurf Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin um 1810
Ausführung 1926
Modellentwurf wohl Modellmeister Johann Carl Friedrich Riese; möglicherweise inspiriert von Johann Gottfried Schadow und/oder Hans Genelli
Modellbucheintrag um 1810
Modellnummern 1411 a und 1417
Höhe 32,5 cm; Durchmesser 40,2 cm
Marken Zepter in Unterglasurblau; Pressmarken Alpha (Jahresbuchstabe für 1926), 1411 a (Modellnummer) und S (alle am Fuß)
Der Modellbucheintrag für dieses als Tafelaufsatz konzipiertes Schalenmodell und sein Pendant mit Greifenfiguren lautet:
Durchbruchschale auf Sphingensockel; eine dreikantige Platte worauf drei Greifen stehen, zum Gebrauch als Untersatz der Antikgl.(atten) Urne ohne Fuße, als Einsatz; 1411, dito als Sphinx, mit A gezeichnet;
Ergänzt wird diese Schale durch die wenig später verzeichnete Modellnummer 1417:
Ein großer runder Blumenkorb als Tisch-Aufsatz und Einsatz auf ein Fußgestell zu setzen mit 3 Greifen oder Sphinxen, wird genommen von No. 1411.
In der Vergangenheit wurde der Entwurf des Modells direkt Karl Friedrich Schinkel zugeschrieben. Auch in der Zeit von KPM-Direktor Nicolas Moufang, der 1925–28 zahlreiche Entwürfe aus dem historischen Formenschatz der Manufaktur wieder auflegen ließ, galt der Sphingenkorb als Schinkel-Schöpfung. Noch auf der großen Überblicksschau „Alt-Berlin“, die 1930 auf dem Ausstellungsgelände am Berliner Funkturm gezeigt wurde, war der Korb in einer Vitrine mit Porzellanen nach Schinkel zu sehen (siehe Foto). Wenig später einigte man sich manufakturintern dann auf die Phrase Modell aus der Schinkelzeit. Sehr wahrscheinlich ist die Urheberschaft durch den Manufakturmodellmeister Johann Friedrich Riese, der zwischen 1789 und 1834 amtierte und zahlreiche antikisierende Modelle schuf. Möglicherweise wurde er bei den Entwürfen für die Greifen- und Sphingensockel von Ideen der Bildhauer Johann Gottfried Schadow und/oder Hans Genelli inspiriert, die das Figurenprogramm der KPM in der Zeit um 1800 mit Vorschlägen und Entwürfen maßgeblich bereicherten. Die Sockelfiguren atmen den damaligen euroweiten Zeitgeschmack der Ägyptomanie, die durch den Ägyptenfeldzug (1798 bis 1801), auch bekannt als Ägyptische Expedition, unter dem Kommando Napoleon Bonapartes befeuret worden war.
Im Unterschied zum Originalentwurf vom Anfang des 19. Jahrhunderts sind sowohl das Doppelpostament als auch die Sockelfiguren beim hier präsentierten Sphingenkorb glasiert gestaltet. Darüber hinaus hat sich auch der seltene, undurchbrochene Schaleneinsatz für Blumen oder Pflanzen erhalten, der die Nutzbarkeit des Tafelaufsatzes deutlich erhöht.
















