Beschreibung
Paul Scheurich, Porzellanplastik Triton II, KPM Berlin 1940/61
Modell Figur Triton II auf Wellen, in Muschelhorn blasend, mit Putto
Modellentwurf Paul Scheurich
Modellbucheintrag August 1940
Modellnummer 16424
Taxnummer 5,8403
Länge ca. 63 cm, Höhe ca. 26 cm
Marken Zepter in Unterglasurblau; Pressmarken Jahresbuchstabe G für 1961 und f
Die Figur Triton II ist das am seltensten ausgeformte Modell aus dem Tafelaufsatz Geburt der Schönheit von Paul Scheurich. Sie zeigt die typische spannungsvolle Bewegtheit der Scheurich’schen Porzellanplastik exemplarisch und besticht durch die besondere, manierierte Mimik/Gestik der vom Künstler geschaffenen mythologischen Wesen.
Ursprünglich war der auf zahlreiche Figuren konzipierte Tafelschmuck ein Auftragswerk des Ehepaars Joachim und Annelies von Ribbentrop. In den Jahren 1938/39 wurde das ehemalige Palais des Reichspräsidenten in der Wilhelmstraße 73 für den neu ernannten Reichsaußenminister Ribbentrop nach Plänen von Albert Speer komplett umgebaut und im Zuge der Renovierung mit Kunst- und Gebrauchsporzellanen der drei staatlichen Manufakturen aus Berlin, Meissen und Nymphenburg üppig ausgestattet. Für die Innendekoration zeichnete die Ministergattin Anna Elisabeth (Annelies) von Ribbentrop verantwortlich, die bereits zahlreiche Porzellane Paul Scheurichs für die Einrichtung der ab August 1936 von ihrem Mann als Botschafter geleiteten Deutschen Botschaft in No. 8–9 Carlton House Terrace in London erworben hatte. Im Frühjahr 1939 engagierte sie den Künstler durch Vermittlung von KPM-Direktor Max Adolph Pfeiffer für die Konzeption und den Entwurf eines großen Tafelaufsatzes für die Residenz des Außenministers. Ab dem Sommer des Jahres widmete sich Paul Scheurich fast ausschließlich diesem Auftrag, der als letztes großes Spätwerk dieses Jahrhundertporzellankünstlers zu gelten hat.
Aufgrund seiner seelischen Angegriffenheit konnte Scheurich den kompletten Tafelschmuck nicht vollenden; bis April 1942 schuf er insgesamt 18 Modelle, die in der Manufaktur nach dem Krieg zum Teil von Emil Paul Börner überarbeitet wurden.
Die Ausformung der Triton II-Figur erfolgte 1961, zu einer Zeit als der ausdrucksstarke Tafelaufsatz die neu erwachten Repräsentationsbedürfnisse der westdeutschen Wirtschaftswunderjahre aufs Beste befriedigen konnte. Die Scheurich-Figuren hatten auch 20 Jahre nach ihrer Erstausformung für Reichsaußenminister Ribbentrop nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Neben der künstlerischen Ausdruckskraft Scheurichs, der vielen Porzellankennern als der wichtigste deutsche Porzellanplastiker des 20. Jahrhunderts gilt, begeistert weiterhin auch die technische Fertigkeit der Berliner Manufaktur bei Bossierung und Brand der Doppelfigur von Triton mit Putto.
Vgl.:
Tim D. Gronert, Porzellan der KPM Berlin 1918–1988, Band 1, 466–470 und Band 3, 375–389.
Siehe auch: Max Adolf Pfeiffer, Schönheit in Porzellan. Zu dem Tafelschmuck „Die Geburt der Schönheit“ von Paul Scheurich, in: Die Kunst im Dritten Reich 5 (1941), Folge 6, Juni, 163–172.











