Liegender Löwe als Briefbeschwerer, nach J. G. Schadow, KPM Berlin um 1835

Beschreibung

Liegender Löwe als Briefbeschwerer in Biskuitporzellan auf vergoldetem Sockel

Modellentwurf Werkstatt des Johann Gottfried Schadow, resp. KPM-Modellwerkstatt, nach barockem Vorbild, um 1817
Dekor Löwe bemalt in Bronzeimitation auf glanzvergoldetem Porzellansockel
Ausführung Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin, um 1835

Maße 8,8 x 16,5 x 7 cm (B x L x H)
Marken Reichsapfel über K.P.M. in Rot auf unglasierter Unterseite; Pressmarke S

Ursprünglich wurde diese ausdrucksstarke Löwenfigur in doppelter, gespiegelter Version, d.h. einmal nach rechts, einmal nach links blickend, als Auflage einer großen Terrine für die sogenannten Feldherrenservice im Nachgang der Befreiungskriege konzipiert und entworfen.

Wohl erstmals tauchten die plastischen Löwen als Terrinenhalter beim im November 1817 ausgelieferten Service auf, das König Friedrich Wilhelm III. von Preußen für den siegreichen General der Infanterie, Joachim Graf York von Wartenburg in der Königlichen Porzellan-Manufaktur hatte fertigen lassen. Auch beim größten dieser Service für den britischen Feldherrn und Staatsmann Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington schmückten die jeweils gänzlich glanzvergoldeten Löwen den Sockel der vier Suppenterrinen, bei den beiden Exemplaren mit Schlachtenszenen krönte darüber hinaus ein weiteres Löwenmodell mit Ball (Erdkugel) den Deckel.[1]
Bei dem Modell der Suppenterrinen handelte es sich um eine Variante des Modells Konischglatt, deren Form von antiken römischen Badewannen inspiriert war. Die Gestaltung der liegenden Löwen hatte sein Vorbild in den ägyptischen Löwen der Fontana delle Termini (Fontana dell’Acqua Felice, auch bekannt als Mosesbrunnen, errichtet 1585–1588 nach Plänen des Domenico Fontana, im Auftrag von Papst Sixtus V.) in Rom.[2]

Die Formentwicklung der Löwen ging mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Johann Gottfried Schadow zurück, der der Manufaktur bereits seit dem Ende des 18. Jahrhunderts wichtige neue Impulse in Bezug auf deren Figurenprogramm geliefert hatte. Auch bei anderen Porzellanplastiken und Formteilen der Feldherrenservice erarbeitete Schadow erste Ideen und Vorstellungen (z.B. bei den Flussgöttern des Tafelaufsatzes). So folgte wohl der Konzeption in Schadows Werkstatt (u.a. von Ludwig Wichmann) die weitere Zeichnung und Ausarbeitung in den KPM-Ateliers und schließlich die Erstellung des Modells und dessen Ausformung in Porzellan.

Die farbliche Gestaltung der Löwenfigur mit der goldgehöhten Bronzeimitation korrespondiert sehr passend mit dem Zweck als vermeintlich gewichtigen Briefbeschwerer. Dieselbe Dekorart findet sich zu dieser Zeit und im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts auch bei anderen Tierdarstellungen, so einer Zuckerschale auf Delfinen aus dem Service mit dem Eisernen Helm für den späteren Kurfürsten Wilhelm II. von Hessen-Kassel.[3]
Komplett vergoldet, aber die Terrine mit neuer Henkelgestaltung haltend, tauchen die Löwen als Halter auf einem Lapislazuli-Sockel nochmals 1825 beim Hochzeitsservice der Prinzessin Luise von Preußen auf.

Unser Briefbeschwerer stellt eine Modellumwandlung aus der Zeit kurz nach 1832 dar, als die KPM-Modellwerkstatt den ursprünglichen Terrinenhalter als nützliches Gebrauchsporzellan umgestaltete und ihn zusätzlich mit einem vollflächig vergoldeten Sockel versah.


[1] Abb. in: Ausst.Kat. Das Tafelservice der KPM für den Herzog von Wellington, Schloß Charlottenburg September–November 1988, Berlin 1988, Tafeln 9–12, S. 98/99, 102/103 und Abb. 37/38, S. 96. Eine interessante Beobachtung ist, dass alle Terrinen der Feldherrenservice (und ihrer zur selben Zeit entstandenen Entsprechungen) jeweils einen in unterschiedlicher Steinimitation gestalteten Sockel haben, auf dem die Löwen ruhen (beispielsweise Verde Antico bei Wellington, Lapislazuli beim Service mit dem Eisernen Helm und Glanzgold beim Prinzen von Homburg-Hessen).
[2] Vgl. Winfried Baer, Zur Formgebung des Services, in: Ausst.Kat. Das Tafelservice der KPM für den Herzog von Wellington, Schloß Charlottenburg September–November 1988, Berlin 1988, 20/21. Sowohl Wanne wie auch Löwen kannten die Entwerfer der Terrine aus der 1805 in Weimar erschienenen Vorlagensammlung Carl (Charles) Heathcote Tatham, Auserlesene Muster antiker Bau-Ornamente gezeichnet nach den besten Originalen in Rom und anderen Teilen von Italien in den Jahren 1794, 1795, 1796, Weimar 1805, Tafel LXXII und LXXIII (Badebecken) und XLVI (Löwen) (nach Baer, 44).
[3] Abb. in: Ausst.Kat. Orden auf königlichem Porzellan – Das Tafelservice vom Eisernen Helm und die Feldherrenporzellane der königlichen Porzellanmanufaktur Berlin, Museum Schloss Fasanerie, 22. Juni–3. November 2013, Petersberg 2013, Nr. 3.32, S. 89.

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