Johann Walter-Kurau (Johans (Janis) Valtars) – Sammlung von vier Gemälden

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Beschreibung

 

Johann Walter-Kurau (Johans (Janis) Valtars) – Mitau 1869 – 1932 Berlin

 

Ausstellungstext zur Werkschau Zwischen Lettland und Deutschland. Der baltische Künstler Johann Walter-Kurau, gezeigt 2021 im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg:

Nach seinem Studium an der Kaiserlichen Akademie der Künste in St. Petersburg war Walter 1898 bis 1906 in seiner Heimatstadt Jelgeva (dt. Mitau) tätig, wo sein Schaffen um 1900 sich in einer Wechselwirkung zwischen Impressionismus, Jugendstil und einer neoromantischen Stimmungskunst entwickelte. Er gilt als einer der Begründer der modernen lettischen Malerei, in der er durch die Verbindung seines malerischen Talents mit einer ausgeprägten musikalischen Begabung eine Sonderstellung einnahm.

Als er 1906 nach Deutschland übersiedelte, nahm er den Künstlernamen Walter-Kurau an. Er entfaltete dort eine breite Lehrtätigkeit und sammelte schöpferische Eindrücke auf vielen Malreisen. Seine Dresdener Schaffenszeit (1906-16) ist von einem spätimpressionistischen Stil geprägt, während er für die Berliner Periode (1916/17–1932) das Streben nach „weitestgehender Abstraktion bei strengstem Studium“ der Natur als Leitmotiv seiner malerischen Weiterentwicklung wählte. Die späte Schaffensphase zeigt stark verarbeitete Anklänge an die Malerei Paul Cézannes, deutscher Expressionisten sowie französischer Fauvisten und Kubisten.

Vgl. Kristiāna Ābele, Johans Valters, Riga 2009.

Sammlung von vier Ölgemälden aus den Jahren 1906–ca. 1925

I)
Landstraße (Allee im Nebel), 1906/07
Öl auf Leinwand
63,3 x 73,2 cm
Signiert Walter-Kurau

Ābele, Nr. 228, S. 190, Fußnote 142.
Jānis Valters: Reprodukciju albums, Riga 1978, Abb. 46, S. 62.

Das Bild erinnert an typische frühere Ansichten aus Semgallen (Zemgale) nahe Mitau (Jelgava), kann aber aufgrund der Doppelsignatur erst ab 1906 entstanden sein.

II)
Stillleben mit Tulpen und Hyazinthen  (Klusā daba ar tulpem un hiacintem), 1919
Öl auf Leinwand
63 x 72,7 cm
Signiert und datiert Walter-Kurau 19.

Ābele, Nr. 336, S. 263.
Kristiāna Ābele, Johans Valters – Johann Walter, Riga 2014, Abb. S. 99.

Ābele weist auf die fast barocken Bewegungen in den aufeinander abgestimmten Draperien und der majestätischen Schönheit der Blüten des Vorfrühlings im Strauß aus weißen Rosen in diesem Stillleben hin. Ein besonderes Augenmerk widmet sie dem Frauenakt im Rahmen hinter den Hyazinthen, das rhythmisch mit dem Hintergrund der gesamten Komposition verschmilzt. Sie nennt das Bild Walters erotischste Schöpfung mit einer solchen Ladung österlicher Sinnlichkeit, die er in figurativen Werken selten gesucht und sonst nie erreicht hat.

III)
Weinberg im Vorfrühling (Vinakalns agra pavasari), 1924
Öl auf Leinwand
62 x 73 cm
Signiert und datiert  W. K. 24

Ābele, Nr. 369, S. 289.
Ernst Zierer, Objektive Wertgruppierung – Kunstmonographische Übersicht über das Werk von Walter-Kurau, Berlin um 1930, Abb. 3, S. 31.

Der markante Weinberg nahe Metzingen auf der Schwäbischen Alb taucht in Walters Werk um 1920 öfter und in teils stark voneinander abweichenden Variationen auf. Die hier vorgestellte nächtliche Ansicht in verschiedenen Violetttönen und erleuchtetem Vordergrund ist ein besonders raffinierter Versuch des Künstlers, seinen farbigen Darstellungen des Berges und dessen Umgebung ein kontrastierendes chromatisches Negativ entgegenzusetzen.

IV)
Brücke im Harz, um 1924
Öl auf Leinwand/Hartfaserplatte
79 x 89 cm
Signiert Walter-Kurau

Ehemals Sammlung Heinrich Lüder-Lühr

Vgl. Ernst Zierer, Objektive Wertgruppierung – Kunstmonographische Übersicht über das Werk von Walter-Kurau, Berlin um 1930, Abb. 20, S. 65.

Ein fantastisches Beispiel von Walter-Kuraus Landschaftsmalerei aus der Mitte der 1920er Jahre, die teils kubistische Einflüsse aufweist und eine enorme Modernität versprüht.

 

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